Bosch-Chef Hartung: „Unsere Arbeitsmoral ist kein Problem“
Stefan Hartung, Vorstandsvorsitzender von Bosch, nahm die deutsche Bevölkerung gegen den Vorwurf in Schutz, sie würde nicht genug leisten. Entscheidend sei, dass sich Arbeit lohne – dann bringe sich auch jeder ein.
heute 11:40 Uhr | 4 mal gelesen
„Man kann den Leuten hierzulande wirklich keinen Stillstand vorwerfen“, erklärte Hartung gegenüber der Funke-Mediengruppe. Für ihn fordere die Debatte, ob in Deutschland zu wenig gearbeitet werde, eine realistische Einordnung: „Ich sehe massenhaft Engagement.“ Trotzdem plädierte er für neue Anreize quer durch alle Lohnstufen – etwa, dass jeder einfach mal ‘ne Arbeitsstunde pro Woche mehr investieren könnte. Die hohe Steuerquote sorge aktuell eher für einen Dämpfer. Unterm Strich müsse Entlastung immer alle mitdenken, meinte Hartung und verwies auf die finanzielle Schwere, die viele tragen. Kurios auch seine spitze Bemerkung Richtung Politik: Von wegen „Frühling der Reformen“ – für das Umkrempeln der Wirtschaft genüge keine Saison. Dinge wie Bildungsinitiative, Infrastruktur oder fairere Steuerpolitik brauche Geduld und einen nüchternen Realitätscheck. Wenn in Firmen trotz großer Worte zu wenig investiert werde, hänge das nicht an der Jahreszeit. Insbesondere sieht Hartung Verbesserungspotenzial bei weniger Bürokratie, einer belastbaren Verkehrs- und Digitalstruktur und mehr Lohnens für Leistung über alle Qualifikationen hinweg. Und zum aktuellen Umgang mit der umstrittenen Wirtschaftsministerin Reiche äußerte er: „Das tut gut, mal Politik aus Wirtschaftssicht zu erleben. Ihre Erfahrung macht Hoffnung – ich bleib optimistisch.“
Bosch-Chef Hartung verteidigte die Arbeitsmoral in Deutschland und widerspricht pauschalen Vorwürfen mangelnden Einsatzes. Er schlägt vor, mehr Anreize für zusätzliche Arbeitszeit zu schaffen und fordert dabei steuerliche Entlastungen für alle Gehaltsklassen. Parallel sieht er bei Bürokratie, Infrastruktur und Bildung dringenden Reformbedarf, übt aber Kritik an symbolischer Reformrhetorik der Politik und plädiert stattdessen für nüchterne, kontinuierliche Veränderungen. Neuere Berichte zeigen zudem, dass die Industrie und viele Unternehmen im Land mit Fachkräftemangel, Investitionshemmnissen und der viel kritisierten Nachzüglerrolle bei Digitalisierung zu kämpfen haben.