EVG schlägt Alarm: 16 Städte drohen vom Fernverkehr abgehängt zu werden

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft warnt davor, dass durch den möglichen Markteintritt von Italo auf für die Deutsche Bahn lukrativen Fernstrecken zahlreiche Städte vom schnellen Zugverkehr ausgeschlossen werden könnten – mit erheblichen Folgen für die Anbindung der Regionen.

14.06.26 00:02 Uhr | 43 mal gelesen

Laut beunruhigender Einschätzungen der EVG könnten bald 16 Städte in Deutschland den Anschluss an den ICE- und IC-Fernverkehr verlieren. Auslöser der Sorge ist das Vorhaben des italienischen Bahnunternehmens Italo, auf profitablen Routen wie München-Dortmund und München-Hamburg zu fahren. EVG-Chef Martin Burkert sieht die Gefahr, dass private Konkurrenten 'die Rosinen rausfischen', während die Deutsche Bahn dadurch kaum noch in der Lage wäre, die weniger frequentierten Provinzstrecken mitzufinanzieren. Es klingt fast wie ein Déjà-vu aus anderen Branchen, wo sich Privatisierung und Wettbewerb vor allem für die Metropolen auszahlen und ländliche Gegenden hinten runterfallen. Besonders sollen Städte wie Jena, Saarbrücken oder Schwerin betroffen sein. Burkert verlangt vom Verkehrsministerium mehr Engagement für faire Wettbewerbsbedingungen und will, dass auch Italo – bei Teilnahme am Fernverkehr – verpflichtet wird, weniger gewinnträchtige Linien mitzunehmen. Das Dilemma: Wer immer nur die Sahnehäubchen will, lässt andere trocken sitzen. Und am Ende trifft es mal wieder die Leute abseits der Großstadtzentren.

Die EVG hat jüngst davor gewarnt, dass durch ein mögliches Engagement von Italo mehrere Städte – darunter Augsburg, Münster oder Rostock – vom Fernverkehr abgekoppelt werden könnten. Die Gewerkschaft befürchtet, dass die Deutsche Bahn ohne Gewinne auf den Hauptstrecken keine Mittel mehr hätte, um weniger lukrative Verbindungen aufrechtzuerhalten. Aktuelle Medienberichte unterstreichen, dass der Wettbewerb grundsätzlich den Bahnsektor beleben soll, aber ohne politische Steuerung drohen ernsthafte Nachteile für die Regionen: etwa längere Wege, Umstiege auf langsamere Züge und insgesamt ein weniger attraktives Bahnangebot. Während die Bahn bislang viele schwächer frequentierte Verbindungen über Gewinne aus Hauptstrecken subventioniert hat, drohen diese Quersubventionierungen durch Konzentration privater Anbieter auf die lukrativsten Routen verloren zu gehen. Die Diskussion ist ebenso politisch brisant – Verkehrsminister Schnieder gerät in die Kritik, weil er bislang für ein faires Regelwerk für Wettbewerber wie Italo zu wenig unternimmt. Die Bundesnetzagentur prüft bereits Anpassungen am Vergabeverfahren, um unerwünschte Effekte wie Rosinenpickerei einzudämmen. Langfristig stellt sich zudem die Frage, wie die Balance zwischen Wettbewerb und gesellschaftlicher Verantwortung im Verkehrssektor aussehen kann.

Schlagwort aus diesem Artikel