Private Eigentümer treiben Mietpreise ähnlich wie große Unternehmen nach oben

Nicht nur Konzerne, auch Privatpersonen fordern teils kräftig überhöhte Mieten – neue Auswertungen lassen aufhorchen.

heute 06:52 Uhr | 3 mal gelesen

Mal ehrlich: Wer denkt beim Stichwort "Mietpreisbremse" nicht zuerst an große Immobilienunternehmen und anonyme Investmentfonds? Aber halt – ein genauerer Blick lohnt sich. Aktuelle Zahlen des Rechtsexperten-Dienstleisters Conny, auf die sich das Handelsblatt bezieht, machen deutlich, dass auch viele private Vermieter kräftig zulangen. Genauer: In 9.350 untersuchten Fällen wurde die Bremse so unübersehbar übertreten, dass fast jeder vierte Privatvermieter seinen Mietern eine Vertragsmiete aufdrückte, die mindestens doppelt so hoch war, wie der ortsübliche Mietspiegel. Und das sind nicht nur Einzelfälle, sondern ein systematischer Trend – denn der Löwenanteil der privaten Wohnungseigentümer nutzt professionelle Hausverwaltungen, die bestens mit den Gesetzen vertraut sind. Im Schnitt zahlen Mieter bei Privatleuten zu hohe Mieten von rund 338 Euro monatlich, bei gewerblichen Eigentümern wie Vonovia oder Heimstaden sind es etwa 348 Euro. Über ein Jahr gerechnet reißt das ein beeindruckendes Loch in die Haushaltskasse: Mehr als 4.000 Euro zu viel. Conny-Chef Daniel Halmer räumt deshalb mit dem Mythos auf, privates Überziehen liege nur an Ahnungslosigkeit. Mehr als zwei Drittel der Fälle laufen über Profis – und die wissen angeblich genau, was sie tun.

Die Analyse von Conny zerschlägt den Mythos, dass überhöhte Mieten vor allem ein Problem großer Unternehmen sind – auch private Vermieter begehen die Verstöße häufig gezielt und nicht aus Unwissenheit. Rund 27% der untersuchten Privatvermieter fordern mindestens doppelt so hohe Mieten, wie vom Mietspiegel vorgesehen, und in über 70% der Fälle steuern professionelle Hausverwaltungen den Prozess. Nach weiteren Recherchen zeigen aktuelle Berichte, dass die Mietpreisbremse landesweit vielfach umgangen wird, etwa durch kreative Vertragsgestaltungen oder schleppende Reaktionen der Behörden. Verbraucherschützer warnen davor, dass rechtliche Unsicherheiten und geringe Aufklärungsquoten Mieter abschrecken, ihre Rechte wahrzunehmen. Gleichzeitig diskutieren Politik und Verbände erneut über die Wirksamkeit der Mietpreisbremse und fordern teils drastischere Maßnahmen gegen Missbrauch.

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