Die Studie basiert auf einer Folgenabschätzung der EU–Klimaziele für 2040. Dabei nimmt die EU an, dass auch dann noch Millionen Fahrzeuge, LKWs sowie die meisten Schiffe und Flugzeuge Kraftstoff brauchen, der in flüssiger Form vorliegt.
Selbst im Jahr 2050 werden, trotz des Elektroauto-Booms, mehr als die Hälfte aller benötigten Energie für Mobilität durch flüssige Treibstoffe gedeckt – so kalkuliert es die Studie. Auffällig ist, dass die Engpässe nicht nur am Rohstoffmangel (Stichworte Lithium und Nickel!) hängen, sondern zum Beispiel auch am schleppenden Ausbau unserer Stromnetze. Der Bedarf an solchen Treibstoffen könnte am Ende sogar noch höher sein als die EU selbst kalkuliert – und das stellt die aktuellen Klimaziele durchaus infrage.
Das industrielle Potenzial an eFuels ist enorm: Mehr als 200 Milliarden Liter jährlich könnten bis 2045 produziert werden, meinen die Verfasser. Damit wäre nicht nur die Nachfrage in der EU gedeckt, sondern sogar mehr im Topf, als aktuell gebraucht wird. Und: Die Sorge, Flugzeuge oder Autos könnten sich gegenseitig Konkurrenz machen, ist laut Studie unbegründet.
Ralf Diemer, der Kopf der eFuel Alliance, bringt es auf den Punkt: Schafft die EU die Rahmenbedingungen, kann Industrie die fossilen Kraftstoffe schon vor 2050 ersetzen. Dann gibt es keine 'Verteilungskämpfe' zwischen Luftfahrt, Schifffahrt und Straße – zumindest theoretisch. Die Massenproduktion macht eFuels erschwinglich; entscheidend ist aber, ob die Politik investiert und die entsprechenden Gesetze schafft.
Von 500 Projekten weltweit zielen rund 300 auf synthetische Kraftstoffe für die Mobilität, die anderen auf die Industrie. Bis 2030 könnten so 20 Milliarden Liter entstehen. Besonders im Trend: eMethanol – ein wandlungsfähiger Allrounder-Kraftstoff. Aber: Nur sechs Prozent der Projekte sind finanziell wirklich unter Dach und Fach. Diese Investitionszurückhaltung zeigt das Dilemma.
Letztlich steht und fällt alles mit dem politischen Willen und einer klaren Regulatorik. Besonders im Flug- und Schiffsverkehr sind eFuels alternativlos, und auch für bestehende PKW-Flotten könnten sie ein Klimaanker werden. Realistisch bleibt: Ohne sicheres Investitionsumfeld bewegt sich wenig.
Die Studie der eFuel Alliance und Porsche Consulting kommt zu dem Schluss, dass der Anteil von Fahrzeugen, die auf flüssige Treibstoffe angewiesen sind, bis mindestens 2050 überraschend hoch bleibt und der Bedarf an erneuerbaren Kraftstoffen in Zukunft sogar steigen könnte. Der Engpass bei Elektromobilität liegt nicht allein am Tempo des Fahrzeugwechsels, sondern auch an Schwierigkeiten beim Ausbau der Ladeinfrastruktur und bei der Rohstoffversorgung, was dazu führt, dass eFuels als wichtige Brückentechnologie eine zentrale Rolle im Erreichen der EU-Klimaziele spielen könnten. Aus aktuellen Recherchen ergibt sich zudem: Die energiepolitische Debatte zu eFuels und synthetischen Kraftstoffen in Europa ist nach wie vor hochdynamisch und mit politischer Unsicherheit behaftet – mehrere neue Artikel betonen, dass es weiterhin an klaren Anreizen und verlässlichen Rahmenbedingungen für Investoren fehlt. Gleichzeitig mehren sich Warnungen, dass ohne forcierte Maßnahmen zur Förderung von eFuel-Projekten die EU ihre geplanten CO2-Ziele wohl kaum erreichen dürfte. In den letzten Tagen haben unter anderem die Bundesregierung und die EU-Kommission öffentlich ihre Bereitschaft bekundet, über neue Förderinstrumente zu diskutieren, um die industrielle Produktion von eFuels tatsächlich wettbewerbsfähig zu machen.