Wolfram Weimer gesteht: Der ESC ist für mich mehr als Musik

Der unabhängige Kulturstaatsminister Wolfram Weimer verrät: Der Eurovision Song Contest ist seit Jahren fester Bestandteil seiner Familie.

heute 16:48 Uhr | 2 mal gelesen

"Bei uns zu Hause ist der ESC ein richtiges Event. Die ganze Familie hockt gemeinsam auf der Couch, die Stimmung ist locker, Snacks und kalte Getränke stehen bereit, und der Fernseher läuft ausnahmsweise mal richtig laut", plauderte Weimer im Gespräch mit ntv. Besonders dieses Jahr fiebert er dem Wettbewerb entgegen – vor allem, weil das Mitwirken Israels trotz kritischer Stimmen gesichert wurde. "Im vergangenen Herbst sah es düster aus, ob der ESC überhaupt wie gewohnt stattfinden würde. Aber von Anfang an war für uns in Deutschland klar: Israel sollte dabei sein dürfen – das war nie eine Option für uns, das anders zu sehen", betont Weimer. Ihm ist wichtig, dass es beim ESC – zumindest im Ideal – um Verständigung zwischen den Ländern geht, um Freude und Offenheit, abseits der politischen Grabenkämpfe. "Gerade diesmal konnte man spüren, dass Antisemitismus Einfluss hatte, das darf nicht übertüncht werden." Weimer macht keinen Hehl daraus, wie politisch und gesellschaftlich aufgeladen die jüngste Zeit ist. "In so vielen Ecken der Welt verschließen sich Freiheiten, und Systeme wie die Demokratie sind unter Druck – die Weltkarte wird gerade neu gezeichnet, und nicht unbedingt zum Guten. Für Europa ist das ein kritischer Moment. Umso wichtiger ist es, kulturelle und offene Begegnungen wie den ESC zu erhalten und nicht kleinreden zu lassen." Was den Auftritt der deutschen Kandidatin Sarah Engels betrifft, geht Weimer insgeheim voll mit: "Beim Vorentscheid war ich live dabei und habe ihre Power und diesen Enthusiasmus echt gespürt. Klar, bei den aktuellen Wettquoten zählt sie nicht zu den Favoritinnen – aber ich denke, sie kann überraschen. Wenn sie die Bühne genauso rockt wie beim Vorentscheid, wird sie viele Leute in Europa für sich gewinnen. Ich drücke auf jeden Fall ganz fest die Daumen."

Weimer beschreibt in lockerer Runde, wie der ESC für ihn und seine Familie zur festen Tradition geworden ist, bei der Gemeinschaft und Spaß im Vordergrund stehen. Besonders betont er dieses Jahr die Verteidigung der israelischen Teilnahme und kritisiert offen antisemitische Tendenzen im Vorfeld des Wettbewerbs. Angesichts der globalen politischen Spannungen sieht er im ESC ein wichtiges Bollwerk für kulturelle Freiheit, das es gerade jetzt zu schützen gilt. Neu hinzu kommt aus weiteren Medienrecherchen: Der diesjährige ESC in Malmö steht unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen aufgrund politischer Konflikte, insbesondere rund um Israels Teilnahme. Gleichzeitig möchten die Veranstalter und die EBU, dass der Wettbewerb ein sicherer, inklusiver Raum bleibt, in dem Diversität gefeiert wird. Auch in der öffentlichen Debatte wird heiß diskutiert, ob der ESC seinem Anspruch, unpolitisch zu bleiben, überhaupt gerecht werden kann – die Kritik an politischen Symbolen und Einflussnahmen ist auffällig laut.

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