Gestartet war die Menge noch ganz friedlich im 'Parc de la Perle du Lac': Mit Blick auf den Genfer See boten sich zunächst Plakate und Sprechchöre. Doch die weiträumigen Zäune, die die Demonstrationsroute säumten, machten die angespannte Atmosphäre spürbar. Erinnerungen an den G8-Gipfel 2003 und dessen Ausschreitungen waren allgegenwärtig, und diesmal ist seit Tagen klar – die Behörden nehmen kein Risiko.
Während Frankreich Gastgeberland des Gipfels ist, wurde das kleine Évian am anderen Seeufer zur Festung erklärt: Drinnen Schutzzonen, außen breite Sperren und Zugangskontrollen, Sonderausweise für Einwohner. Kein Wunder, dass etliche Protestgruppen schnell in die Schweiz auswichen, wo nicht nur in Genf, sondern auch in Lausanne, Zürich, St. Gallen und einer ganzen Reihe weiterer Städte neue Kundgebungen aufblühten. Die Großwetterlage in Dingen G7 ist jedenfalls alles andere als ruhig.
Die G7-Proteste in Genf entwickelten sich am Sonntag rasant zu gewalttätigen Ausschreitungen: Bereits kurz nach Beginn setzten Unbekannte Fahrzeuge in Brand und zerstörten Fensterscheiben an der Demoroute. Die Polizei war mit starker Präsenz vertreten und reagierte prompt, um eine Eskalation wie beim G8-Gipfel 2003 zu verhindern. Aus Sorge vor weiteren Unruhen wurde auch das französische Évian, wo der eigentliche Gipfel abgehalten wird, in mehrere Sicherheitszonen aufgeteilt und großflächig abgesperrt. Laut aktuellen Berichten von „Spiegel“ und „FAZ“ ist die Stimmung in den betroffenen Städten seit Tagen angespannt, nicht zuletzt auch, weil viele Bürger sich durch die massiven Polizeikontrollen und Einschränkungen in ihrem Alltag gestört fühlen. Zu beobachten ist eine neue Protestkultur, die sich stärker dezentralisiert: Über soziale Medien werden in verschiedenen Städten Demonstrationen spontan organisiert. Hinzu kommt, dass prominente zivilgesellschaftliche Gruppen die Polizeimaßnahmen teils als unverhältnismäßig kritisieren. In den sozialen Netzwerken kursieren inzwischen zahlreiche Bilder von den Ausschreitungen, die vor allem die anhaltende gesellschaftliche Spaltung über Globalisierung und politische Großevents sichtbar machen.