Schon von Weitem war der Protest nicht zu übersehen: Zahlreiche Banner und Spruchbänder, dieses Mal mit klar profeministischen und antikapitalistischen Botschaften – und auffallend oft auch mit Forderungen, Palästina zu unterstützen. Die zentrale Route führte vom Ufer des Genfer Sees, genauer gesagt dem Parc de la Perle du Lac, direkt hinein Richtung Zentrum. Alles war von einem massiven Sicherheitsaufgebot überschattet, überall hohe Zäune, zahllose Beamte. Es wirkte fast so, als ob die Stadt kollektiv den Atem anhielt, viele Geschäfte hatten schon Tage vorher mit Brettern die Schaufenster gesichert und mit Handgemaltem auf lokale Familienbetriebe aufmerksam gemacht – man konnte das Flattern zwischen Solidarität und Furcht fast greifen. Die Polizei war so gut vorbereitet wie selten, eventuell noch geprägt von damals, 2003, als in ähnlicher Sache der G8-Gipfel für massive Ausschreitungen sorgte. Interessant: Évian selbst war streng getrennt in Sicherheitssektoren, die Bewohner dort hatten Ausweise bekommen, um passieren zu dürfen – eine merkwürdige Mischung aus Weinfest und Ausnahmezustand. Und nicht nur Genf, sondern auch eine ganze Reihe anderer Schweizer Städte riefen am Wochenende zur Kritik am Gipfel auf – so viele lokale Ableger, dass man fast den Überblick verlor.
Die friedlichen Massenproteste in Genf geben einen Vorgeschmack auf die angespannte Stimmung rund um internationale Gipfeltreffen wie den G7 (diesmal in Frankreich, aber mit enormer Ausstrahlung auf das benachbarte Genf), wobei die Themen der Demonstrierenden längst über reine Wirtschaftskritik hinausgehen – Feminismus und Solidarität mit Palästina stehen ebenso im Fokus. Die Sicherheitsmaßnahmen der Polizei, die Barrikaden und die lokalen Reaktionen der Geschäftswelt zeigen, wie groß die Sorgen vor Eskalationen sind – Erinnerungen an Proteste 2003 werden wachgerufen. Neuere Quellen berichten, dass auch die sozialen Medien die Proteste begleiten; Diskussionen um geopolitische Verantwortung, Klimapolitik und Gerechtigkeit werden teils hitziger geführt als bei vergangenen Gipfeln.