Jörg Meuthen warnt: Die AfD gerät zunehmend in völkisch-nationalistische Gewässer

Jörg Meuthen, einst Vorsitzender der AfD, reflektiert heute selbstkritisch über seine Zeit an der Parteispitze und sieht mit Sorge die politische Entwicklung der Partei.

heute 16:15 Uhr | 2 mal gelesen

„Ich habe Fehler gemacht – keine Frage“, sagt Meuthen rückblickend im Gespräch mit 'Politico'. Vor allem die Zusammenarbeit mit dem sogenannten 'Flügel' um Björn Höcke bewertet er inzwischen als einen gewaltigen Irrtum. Er habe sich lange davon täuschen lassen, die Radikalen seien nur eine Randerscheinung: „Die sind schnell erledigt, so dachte ich. Trugschluss, wie sich zeigte.“ Auffallend offen spricht Meuthen auch über das schwierige Verhältnis zu Frauke Petry: „Zusammen hätten wir für einen anderen Kurs sorgen können. Leider war es schnell mit der Partnerschaft vorbei. Manche Konstellationen sind Gift, nicht Dünger.“ Mit ernster Miene äußert er sich zu Götz Kubitschek und dessen Institut für Staatspolitik: „Die Richtung der Partei wird von dort maßgeblich vorgegeben. Kubitschek ist überall dabei, wie ein Schatten, der auf Entscheidungen fällt.“ Aus Meuthens Sicht ist die AfD eindeutig im Begriff, sich in ein völkisch-nationalistisches Lager zu bewegen – ein Kurs, den er persönlich strikt ablehnt. Speziell mit Blick auf Nordrhein-Westfalen spricht Meuthen von einem Richtungsstreit: Landeschef Vincentz sehe er als vernünftig an, Bundestagsabgeordneten Helferich hingegen als klar rechtsextrem – „das Gegenteil also“. Der Versuch, Helferich auszuschließen, scheiterte: ein Moment, in dem Meuthen für sich selbst den Schlussstrich zog. Besonders kritisch sieht er die Rolle von Alice Weidel, die nach seinen Worten Helferich voll unterstützt. Seine Prognose für moderate Kräfte wie Vincentz ist düster: Bald seien sie entmachtet, der radikale Flügel dominiert.

Jörg Meuthen, der ehemalige Vorsitzende der AfD, rechnet in einem Interview mit seiner Partei ab und schildert, wie sehr sich die AfD aus seiner Sicht in eine völkisch-nationalistische Richtung entwickelt hat. Besonders erschüttert ihn sein früherer Irrglaube, radikale Strömungen im Griff zu haben, sowie das Scheitern seines Bündnisses mit Frauke Petry; er macht deutlich, wie stark rechtsintellektuelle Kreise um Götz Kubitschek mittlerweile die Linie der Partei prägen. Die neuesten Recherchen zeigen zudem, dass die Radikalisierung der AfD zuletzt weiter vorangeschritten ist: Etwa verliert die Partei in manchen Bundesländern gemäß Umfragen deutlich an Zuspruch, während der Verfassungsschutz weiterhin prüft, inwiefern eine Beobachtung oder sogar ein Verbotsverfahren im Raum steht.
Die Süddeutsche Zeitung hebt hervor, dass vor allem in Ostdeutschland die AfD zunehmend radikale Positionen beziehe, was auch zu innerparteilichen Konflikten und öffentlich ausgetragenen Lagerkämpfen führe. In der taz wird analysiert, wie die internen Strukturen der AfD immer stärker vom völkischen Flügel dominiert werden und sich moderate Stimmen kaum noch Gehör verschaffen können. Der letzte Spiegel-Artikel betont, dass der Machtkampf um die Parteiführung – ausgelöst durch personelle Streitigkeiten und die Nähe rechter Ideologen – das Erscheinungsbild der Gesamtpartei stark beeinträchtigt und für Außenstehende immer schwerer durchschaubar macht.

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