Greenpeace-Studie: Deutschlands Nahverkehr fällt im EU-Ranking weiter zurück

Deutschland rutscht in der neuen ÖPNV-Analyse von Greenpeace vom vierten auf den fünften Platz ab – trotz des deutschlandweiten Tickets. Hauptgrund sind steigende Preise, fehlende Sozialtickets und teure Tarife, gerade auch in Berlin.

heute 15:11 Uhr | 2 mal gelesen

Deutschland gilt gern als Land des Fortschritts, aber im aktuellen ÖPNV-Ranking von Greenpeace reicht es europaweit bloß für Platz fünf unter dreißig verglichenen Staaten. Schon ernüchternd, wenn man bedenkt, wie viel Hoffnung auf das Deutschlandticket gesetzt wurde. Ein Klassiker: Während das Ticket für alle gilt, ist es anderenorts eben kostenlos – und das macht den Unterschied.

Spitzenreiter: Kleine Länder, große Wirkung

Wenig überraschend platzieren sich Malta und Luxemburg erneut auf dem Podest: In beiden Ländern fährt man umsonst. Ist das jetzt utopisch oder absurder Luxus? Nun, Slowenien und Österreich folgen mit günstigen Lösungen, während Finnland auf dem letzten Platz landet. Auch da merkt man, wie unterschiedlich Nahverkehr gestaltet werden kann.

Greenpeace hat einige Faktoren unter die Lupe genommen — viel diskutiert: Wie bezahlbar sind Tickets, wie engmaschig das Netz, gibt es spezielle Angebote für Bedürftige? Kleines Plus am Rande: Deutschland profitiert derzeit noch von einem reduzierten Mehrwertsteuersatz bei Nahverkehrstickets.

Deutschlandticket: Ambition trifft Preisspirale

Eigentlich war das Deutschlandticket als Befreiungsschlag gedacht. Anfangs 49 Euro pro Monat, jetzt schon 63 Euro – und die Reise Richtung 66 Euro im Jahr 2027 ist vorgezeichnet. Während andere Länder stagnieren oder günstiger werden, erlebt das Ticket hier einen inflationären Höhenflug, den kein Haushalt mit schmalem Geldbeutel bejubelt.

Der Preisanstieg ist mit rund 30 Prozent seit Einführung einer der drastischsten unter allen beurteilten Nationaltickets. Besonders bitter: Ein Sozialticket mit bundesweiter Gültigkeit? Fehlanzeige. Greenpeace sieht das kritisch – völlig zu Recht, wie ich finde.

Mehr als Mobilität: Die soziale Dimension

Marissa Reiserer von Greenpeace bringt es auf den Punkt: Mobilität muss bezahlbarer werden, nicht teurer. Nicht nur für den Geldbeutel, sondern auch, um Menschen Wege zu Möglichkeiten zu öffnen – Arbeit, Bildung, Teilhabe. Viel zu selten wird betont, dass Verkehrspolitik eben auch Politik für gesellschaftlichen Zusammenhalt ist.

Wer sich den ÖPNV nicht leisten kann, bleibt zurück – und genau dieses Gefühl macht anfällig für rechte Parolen. Ich wage zu sagen: Bezahlbare Tickets wären billiger als jede gesellschaftliche Spaltung, die sonst droht.

Berlin und der hohe Preis des Fortschritts

Eine irritierende Randnotiz aus der Hauptstadt: Berlin landet im Städteliga-Ranking knapp unter den teuersten zehn – kaufkraftbereinigt wohlgemerkt. Für Senioren und sozial Schwächere gibt’s kaum Rabatte, was Berlin mit Prag oder Tallinn vergleichen lässt: Dort fährt man nämlich fast gratis oder zu minimalen Preisen.

Klimaschutz: Verkehr bleibt Sorgenkind

So sehr in den letzten Jahrzehnten EU-weit an Emissionen gefeilt wurde – der Verkehr tanzt aus der Reihe. Die Treibhausgaswerte steigen weiter. Greenpeace bringt es mit Nachdruck: Nur mit einem starken, billigen ÖPNV kann beim Klimaschutz endlich Bewegung in die Bude kommen.

Am Ende des Tages ist das Deutschlandticket kein Selbstzweck. Wer Mobilität verteuert und soziale Aspekte vergisst, verspielt auch Vertrauen in demokratische Strukturen. Die Diskussion ist längst vielschichtiger als die Frage nach Tarifzonen. Es geht um Teilhabe, um Klima – und letztlich darum, zu zeigen, dass man aus guten Ideen nicht nur teure Produkte macht.

Die neuen Ergebnisse von Greenpeace zeigen, wie volatil Deutschlands Spitzenposition beim ÖPNV ist: Binnen drei Jahren rutscht das Land trotz seines bundesweiten Tickets wieder ab. Treiber ist klar der Preis – während andere Länder komplett kostenfreie und niedrigschwellige Angebote schaffen, steigen die Kosten für das Deutschlandticket schnell. Die fehlende Sozialkomponente verschärft das Problem, vor allem für einkommensschwache Haushalte.

Gleichzeitig wird deutlich, dass Verkehrspolitik viel mehr bedeutet als effiziente Fortbewegung: Sie schafft soziale Beziehungen, wirkt sich auf das Vertrauen in Institutionen aus und ist ein Hebel im Kampf gegen immer neue Emissionsrekorde im Verkehrssektor. Berlin bleibt trotz guter Infrastruktur ein teures Pflaster, während andere Hauptstädte in Europa die Messlatte für soziale Tarife höher legen.

Ergänzend aus der aktuellen Berichterstattung: Die Bundesregierung diskutiert aktuell zwar preisliche Anpassungen und eine mögliche Wiedereinführung eines bundesweiten Sozialtickets, kommt aber kaum voran. Laut FAZ gibt es wieder verstärkte Gespräche zwischen Bund und Ländern, doch der Streit um die Finanzierung bleibt ungelöst. Die Kritik von Umweltverbänden und Sozialverbänden an der Preispolitik des Deutschlandtickets reißt dabei nicht ab (Die Zeit), und viele Kommunen warnen, dass zu hohe Preise das Ziel der Verkehrswende und Klimaschutz torpedieren (Der Spiegel).

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