Jungpolitiker ringen um Bedeutung nationaler Symbole bei der EM

Ob Fahne zeigen oder lieber nicht – die Chefs der Jugendorganisationen der Bundestagsparteien sind sich uneinig, wie locker oder kritisch man zu Schwarz-Rot-Gold in EM-Zeiten stehen sollte. Einer schwenkt, andere zaudern.

heute 14:44 Uhr | 4 mal gelesen

Mitfiebern mit der Nationalelf ist Ehrensache – aber wie viel Patriotismus verträgt der Fußballsommer? Johannes Winkel, der Junge-Union-Chef, macht es einfach: Fahne, Wimpel, alles dabei. "Nichts vereint uns mehr als Einigkeit und Recht und Freiheit", meint er. Das klingt nach Grillfest und Fußball-Party. Philipp Türmer von den Jusos gibt sich patriotisch-light: Trikot gerne, aber Fahne – bitte nicht. "Ich hab in meinem Leben zu viele Nazis gesehen, die Schwarz-Rot-Gold wedeln", erzählt er. Auch bei Luis Bobga (Grüne Jugend) ist die Sache kompliziert: Freude auf die EM – ja, Trikot? Vielleicht … Fahne? Eher Bauchschmerzen. Allerdings hält er nichts davon, jeden Flaggenfreund gleich nach rechts zu rücken. Limes Schäfer (Linksjugend solid) sieht's ähnlich: Viele jubeln nicht aus übertriebener Vaterlandsliebe mit, sondern weil's eben Fußball ist. Die Missbrauchsgefahr der Nationalfarben durch Rechtsradikale findet er dennoch gefährlich. Und Jean-Pascal Hohm (AfD-Jugend) glaubt, dass die Nationalfarben sowieso zum Alltag gehören sollten – nicht bloß zur WM als Deko.

Die Chefinnen und Chefs der Parteinachwuchse sehen die deutschen Farben in der Öffentlichkeit zur EM sehr verschieden. Während konservative Kräfte wie die Junge Union das Zeigen der Fahne selbstverständlich finden, verbinden Jusos, Grüne Jugend und Linksjugend sie teils mit zwiespältigen Erinnerungen an rechte Missbräuche – sind aber nicht komplett abgeneigt, solange der Kontext stimmt. Die AfD fordert, Schwarz-Rot-Gold rund ums Jahr selbstbewusst zu präsentieren. – Interessant ist, wie sich diese Debatte in einer Zeit wiederholt, in der Extreme politischer Symbole diskutiert und gesellschaftliche Bruchlinien spürbar sind: Einige Medienberichte heben hervor, dass Nationalfarben heute oft anders wahrgenommen werden als noch vor etwa 15 Jahren. Aus neuen Umfragen, darunter die des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, zeigt sich, dass jüngere Leute Patriotismus mehr mit kritischem Bewusstsein verbinden; sie unterscheiden stärker zwischen Symbol und Inhalt. Zugleich erklären Soziolog*innen, dass der Fußball zwar ein Gemeinschaftsgefühl schafft, aber Flaggen selbst längst kein eindeutiges Zeichen von Rechtslastigkeit mehr sind, sondern oft spielerisch und situationsabhängig genutzt werden. Trotzdem: Die Geschichte, wie Nationalfarben vereinnahmt wurden, sorgt weiterhin für Diskussionen, auch unter Prominenten und in sozialen Netzwerken.

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