Reichinnek hat, in einem Gespräch mit 'Blome und Pfeffer' auf ntv, klare Worte gefunden: Die bisherige Rentenpolitik sei schlichtweg unfair. Wer viel verdient, zahlt prozentual oft weniger; eine Pflegekraft trägt ihr volles Gehalt zur Rente bei, während Klinikchefs ab einer gewissen Einkommenshöhe ausgenommen sind – eine Absurdität, findet sie. Das Prinzip, dass alle einzahlen, soll wieder gelten – inklusive Beamter, Selbstständiger und Politiker. Die Beitragsbemessungsgrenze, aktuell bei 8450 Euro im Monat, sollte laut Reichinnek auf doppelte Höhe steigen. Ziel sei, Gutverdienende stärker zur Finanzierung des Systems heranzuziehen.
Was sie außerdem ärgert: Der politische Fokus auf private Altersvorsorge verdränge die Notwendigkeit einer starken gesetzlichen Rente. Nicht jeder könne es sich leisten, zusätzlich privat vorzusorgen, während Armut im Alter zunimmt. Es klinge wie eine Banalität, aber in einem reichen Land sollte das Alter keine Zeit der Sorge sein müssen. Stattdessen sieht die Linken-Chefin überall Menschen, die jenseits des Renteneintritts noch arbeiten müssten, Flaschen sammelten oder sogar auf Lebensmittelspenden angewiesen seien.
Worum es eigentlich geht: Die Linke setzt sich, mit Reichinnek an der Spitze, für eine sozial gerechtere Rentenpolitik ein. Dabei steht im Mittelpunkt, mehr Menschen – insbesondere Beamte, Politiker und Selbstständige – für die Solidaritätspflicht heranzuziehen und höhere Einkommen stärker zu belasten. Hintergrund ist die wachsende Altersarmut in Deutschland, die laut aktuellen Zahlen rund 20 Prozent der Rentner betrifft. Einige Ökonomen teilen Reichinneks Kritik: Sie verweisen auf die Gefahr, dass das Vertrauen in die gesetzliche Rente schrumpft, wenn diese nicht solidarischer ausgestaltet wird. In der aktuellen öffentlichen Debatte beanspruchen besonders junge Menschen, dass Beitrags- und Leistungsgrenzen besser angepasst werden – und zugleich warnen Verbraucherschützer vor riskanten privaten Modellen. Darüber hinaus wird in Presseberichten (u.a. FAZ, Zeit, Süddeutsche) vermehrt diskutiert, dass die Umstellung auf ein einheitliches Rentensystem für alle Erwerbstätigen nicht nur für mehr Gerechtigkeit sorgen, sondern die Rentenkassen auch langfristig stärken könnte.