Leadership à la Klinsmann? SAP-Chef sieht Reforminspiration für Merz

Christian Klein, Vorstandsvorsitzender von SAP, schlägt vor, Bundeskanzler Friedrich Merz möge sich für Deutschlands Reformkurs ein Beispiel am Innovationsgeist von Jürgen Klinsmann nehmen.

heute 18:50 Uhr | 3 mal gelesen

Christian Klein blickt zurück: Als Jürgen Klinsmann – hierzulande damals nicht unumstritten – vor der WM 2006 im deutschen Fußball auf frische Ideen setzte, erschütterte das eingefahrene Strukturen. „Er baute auf Zahlen, Sportwissenschaft und ließ externe Fachleute ran“, schreibt Klein. Klinsmann ignorierte Probleme nicht, sondern packte sie direkt an. Dieses Durchhaltevermögen – so der SAP-Chef – habe letztlich viel mehr bewirkt als nur sportlichen Erfolg: Es schuf einen kollektiven Stimmungsumschwung und legte aus Kleins Sicht den Grundstein für den WM-Titel 2014. Heute, sinniert er weiter, fehle genau diese Energie: Statt Aufbruchsstimmung regiere heute hierzulande oft eher Skepsis, manche Zukunftsangst, viel Grübeln.

Vor allem mit Blick auf Innovationsfelder wie künstliche Intelligenz bemerkt Klein ein zögerliches Herantasten in Europa: Während in den USA Tempo gemacht wird und China investiert, dominiere hier Regulierung. Seine These: Wer KI am intelligentesten in den betrieblichen Alltag integriert, gewinnt – nicht derjenige mit dem größten Modell. Dafür müsse der Mut da sein, Prozesse und Denkweisen grundlegend zu verändern, nicht nur ein neues Tool hinzustellen. Bleibt die Frage: Wird sich die Haltung wandeln?

Klein räumt ein: Viele Berufe werden sich wandeln, aber nicht verschwinden. Weiterbildung sei mehr denn je Pflicht – nicht Kür. Da müsse die Politik nachziehen. Immerhin tue sich in Brüssel einiges Richtung Abbau digitaler Bürokratie, das begrüßt er ausdrücklich. Für ihn steht fest: Es braucht klare, zielgerichtete Regeln statt ein Wirrwarr an Vorschriften. Und noch ein Gedanke: Technologischer Fortschritt bedeute nicht, sich hinter Grenzen zu verschanzen – sondern Weltoffenheit, aber selbstbestimmt. Vielleicht ja ein bisschen wie damals mit Klinsmann.

SAP-CEO Christian Klein fordert mehr Pioniergeist und Flexibilität in der deutschen Politik sowie der Wirtschaft, insbesondere im Umgang mit Zukunftstechnologien wie KI. Mithilfe von Jürgen Klinsmanns Beispiel für kompromisslose Erneuerung rät er Bundeskanzler Merz zu entschlossenem Handeln und zur konsequenten Förderung von Weiterbildung statt trägheitserzeugender Überregulierung. Klein betont, Europa müsse lernen, die besten Technologien zu adaptieren und mit klarem, eigenem Regelwerk einzusetzen, um Wohlstand und Anschlussfähigkeit zu sichern. Aktuelle Recherchen zeigen, dass in der deutschen Debatte jüngst verstärkt gefordert wird, die Chancen von KI und Digitalisierung mutiger zu ergreifen: Viele Stimmen aus Wirtschaft und Wissenschaft beklagen, Brüssel und Berlin würden sich im Dickicht der Bürokratie verheddern und damit internationale Wettbewerbsfähigkeit gefährden. Währenddessen fordern Experten und Führungskräfte wie Klein, dass Politik und Unternehmen gezielt auf Talentförderung und pragmatische, innovationsfreundliche Rahmenbedingungen setzen sollten. So steht Deutschland an einem Scheideweg zwischen mutigem Gestalten und abwartender Haltung – die Stimmen, die für einen Klinsmann’schen Ruck plädieren, werden lauter.

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