Bosch-Chef im Aufsichtsrat rechtfertigt massiven Jobabbau

Stefan Asenkerschbaumer, Aufsichtsratsvorsitzender von Bosch, äußert Verständnis für die deutlichen Einschnitte beim Personalbestand – und erklärt, warum Investitionen in Felder wie E-Mobilität trotz aktueller Branchenturbulenzen für das Unternehmen überlebenswichtig sind.

heute 13:21 Uhr | 3 mal gelesen

Es klingt fast trotzig, was Stefan Asenkerschbaumer da gegenüber der FAZ anmerkt: Ob ein Strategiewechsel zum Fehler wird, nur weil sich Erwartungen nicht erfüllt haben, dürfe rückblickend keiner zu harsch werten – immerhin hätten fast alle Marktakteure ähnlich gedacht. In der Wirtschaft, so Asenkerschbaumer, herrscht im Grunde ein ewiges Streben nach dem Spagat zwischen Wagnis und Sicherheit; fehlende Entscheidungen jedenfalls schaden mehr als Irrtümer. Rund 28.000 Stellen weltweit – ein gigantisches Sanierungsprogramm, das Bosch vor allem in der Autosparte und an deutschen Standorten schmerzlich trifft. Schwächelnde Märkte, nachlassende Diesel-Nachfrage und schleppende Elektromobilität lasten schwer auf dem Konzern. Hinzu kommen unrunde Geschäfte bei Elektrowerkzeugen und der Hausgerätesparte. Das Sparen hat Bosch bislang 4,5 Milliarden Euro gekostet – kein Pappenstiel! Asenkerschbaumer verteidigt den Fokus auf Deutschland, auch wenn es aus Sicht der Beschäftigten hart klingt. Die Standorte müssten konkurrenzfähig sein – im In- wie im Ausland. Stützen auf internationale Gewinne sei langfristig die falsche Medizin. Kritik an einem angeblich lockeren Wertegerüst pariert er mit dem Hinweis: Der Fortbestand von Bosch war und bleibe oberstes Gebot, selbst wenn persönliche Opfer dazugehören. Fairness, Offenheit und Konsequenz in der Krise – das hält er dem Unternehmen weiterhin zugute. Gegenüber der Politik zeigt sich Asenkerschbaumer weniger optimistisch. Die Fähigkeit, in Deutschland gemeinsam Reformen zu diagnostizieren und durchzusetzen, stellt er in Frage; ein Konsens sei oft schon in der Analyse schwierig. Dennoch ruft er dazu auf, nicht zu resignieren: Wettbewerbskraft müsse verteidigt werden, ob das nervt oder nicht. Verantwortung abzugeben hält er für keine Option. Und, ganz ehrlich: Unternehmen seien nie aus dem Schneider – Fehlprognosen, überfrühe Investitionen, Marktunsicherheiten. Am Ende trägt die Firma selbst das Risiko, erst recht, wenn politische Rahmenbedingungen Luftschlösser bleiben. Manchmal, so scheint es zwischen den Zeilen, fährt man eben auf Sicht – und muss trotzdem einen Kurs bestimmen.

Die Jobstreichungen bei Bosch sorgten zuletzt wiederholt für hitzige Debatten um die soziale Verantwortung von Konzernen, insbesondere da die Industrie in Deutschland insgesamt unter Wettbewerbsdruck und Transformationsdruck steht. In der aktuellen wirtschaftlichen Lage, in der die Automobilbranche schwächelt und neue Technologien – wie Elektromobilität und automatisiertes Fahren – anfangs hohe Investitionen und teils schleppende Marktentwicklung mitbringen, setzt sich Bosch für umfassende Umstrukturierungen ein. Insbesondere der fortschreitende Wandel in der Automobilindustrie und die Herausforderungen, nachhaltige Arbeitsplätze bei gleichzeitiger Innovationspflicht zu bewahren, beschäftigen nicht nur Bosch, sondern auch andere Zulieferer und Hersteller – eine brisante Mischung aus globalem Wettbewerb, politischer Unsicherheit und interner Verantwortung.

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