Am Freitag gab die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen neue Zahlen zur Entwicklung des Energieverbrauchs bekannt. Laut aktuellem Bericht fiel der Primärenergieverbrauch im Vergleich zum Vorjahr um etwa 1,7 Prozent auf knapp 3.059 Petajoule, was 104,4 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten entspricht – eine Zahl, mit der vermutlich nur Energie-Fans spontan etwas anfangen können. Die Ursache? Im Wesentlichen eine weiterhin maue Wirtschaftsleistung. Während das Bruttoinlandsprodukt leicht um 0,5 Prozent zulegte, machten vor allem Branchen mit hohem Energiebedarf nochmals einen Schritt zurück. Andererseits gab’s im Heizsektor einen Anstieg – die Kälte im Januar tat ihr Übriges.
Interessanterweise hätte der überraschende Preisrutsch bei Energieträgern eigentlich auch den Verbrauch ankurbeln können. Wäre da nicht die blockierte Straße von Hormus und der brutal anziehende Öl- und Gaspreis ab März dazwischengefunkt. Erzeuger preisen den höheren Anteil erneuerbarer Energien in der Stromproduktion als weitere Ursache für rechnerische Einsparungen: International gilt hier ein fiktiver Wirkungsgrad von 100 Prozent – etwas, das manche zwar als Augenwischerei bezeichnen würden, aber so will es die Konvention. Im Vorjahr war der Wind schwach, was damals die Rechnung umkehrte. Ohne den witterungsbedingten Mehrverbrauch wäre das Minus beim Energieeinsatz sogar etwas deutlicher ausgefallen: 2,2 Prozent weniger.
Im Detail zeigt sich: Der Mineralölverbrauch verringerte sich insgesamt um 5 Prozent. Dieselkraftstoff sank um satte 5 Prozent, bei den Ottokraftstoffen nur ein kleines Minus von 0,5 Prozent. Heizölverkäufe schrumpften sogar um gut 10 Prozent – viele deckten sich zu den Januar- und Februar-Tiefpreisen nicht ein und wurden im März vom Preisschub kalt erwischt. Rohbenzin und Flugkraftstoff gaben ebenfalls nach.
Beim Erdgas bewegten sich die Zahlen leicht abwärts (minus 1,4 Prozent). Rückgänge in der Industrie konnten den wärmegetriebenen Mehrverbrauch in der Strom- und Fernwärmeerzeugung aber nicht ganz überwiegen. Steinkohle dagegen erlebte einen kleinen Aufschwung, besonders Richtung Eisen- und Stahlindustrie. Die Braunkohleförderung und -nutzung sank weiter, was teils mit dem Kohleausstieg zusammenhängt, aber auch mit dem Wind, der diesmal kräftiger wehte.
Apropos: Erneuerbare legten im ersten Quartal insgesamt um 6,6 Prozent zu. Fast schon dramatisch stieg die Windstromproduktion, während Solarstrom und erneuerbare Wärmeerzeugung ebenfalls leicht zulegten. Biokraftstoffe gingen allerdings leicht zurück.
Ein bemerkenswerter Nebeneffekt: Nach zwei Jahren floss erstmals wieder mehr Strom aus Deutschland ins Ausland als umgekehrt. Die energiebedingten CO2-Emissionen sanken um weitere 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr – das sind grob 4,5 Millionen Tonnen weniger klimaschädliches Gas.
Deutschland hat in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 weniger Energie verbraucht, der Verbrauch sank um rund 1,7 Prozent. Ursachen sind vor allem die weiterhin schwächelnde Industrie-Konjunktur und der gestiegene Anteil erneuerbarer Energien am Energiemix – besonders Windstrom gab den Ausschlag. Zugleich bewirkte die ungewöhnlich kalte Witterung im Januar, dass der Heizbedarf stieg, und internationale Marktverwerfungen verhinderten, dass gesunkene Energiepreise den Konsum wie üblich steigerten. Die Kohleverstromung nahm weiter ab, Erneuerbare wuchsen teils deutlich, und die energiebedingten CO2-Emissionen reduzierten sich kräftig.
Neue Entwicklungen: Laut verschiedener Leitartikel in den vergangenen zwei Tagen zeigen jüngste Zahlen, dass Deutschland beim Ausbau der Windkraft aktuell Rekordzahlen erreicht: 2026 wurden im ersten Halbjahr knapp doppelt so viele neue Windräder ans Netz gebracht wie im Vorjahreszeitraum. Die Bundesregierung arbeitet zudem an beschleunigten Genehmigungsverfahren für erneuerbare Energien und will Importe fossiler Energieträger weiter verringern. Gleichzeitig gibt es Sorgen um die Netzstabilität bei stark schwankender Windenergie-Erzeugung – hier fordern Fachleute gezielte Investitionen in Speicher- und Netzausbau, um „Blackouts“ zu vermeiden.