Vielleicht klingt es auf den ersten Blick nach Fortschritt: Der Frauenanteil in den DAX-Aufsichtsräten hat in den vergangenen Jahren die 40%-Marke gekratzt. Doch 2026 folgt die Ernüchterung: Statt weiterer Zugewinne erleben Frauen nicht nur einen leichten Rückgang, sondern bleiben auch nur etwa halb so lange wie Männer auf ihren Posten. Früher lag der Unterschied bei rund zwei Jahren, jetzt sind es schon mehr als vier. Besonders augenfällig: 2026 verlassen mehr Frauen ihre Mandate als nachrücken. Die Gründe sind vielfältig – von der stark gefragten, aber seltenen CEO-Erfahrung bei Frauen bis zu internationalen Vergleichen, in denen der deutsche Leitindex zunehmend abgehängt wird. Während Frankreich fast bei der Parität angekommen ist und auch skandinavische Länder sowie das Vereinigte Königreich deutlich besser dastehen, stagniert der DAX auf Platz acht. Ein Lichtblick immerhin: Die Zahl weiblicher Aufsichtsratsvorsitzenden steigt auf einen Höchststand, darunter Namen wie Simone Bagel-Trah und Clara-Christina Streit. Doch in anderen mächtigen Ausschüssen sind Frauen weiter klar unterrepräsentiert; vor allem im mächtigen Präsidialausschuss fallen sie mit knapp zwölf Prozent weit zurück. Ebenfalls bemerkenswert: Frauen scheiden oft jünger aus als Männer und ihre Chancen, einflussreiche Mehrfachmandate zu bekommen, bleiben bescheiden.
Eine der Ursachen: Wer heute einen Aufsichtsratssitz besetzen will, braucht oft umfassende CEO-Erfahrung – und hier klafft der Gender Gap in Deutschland besonders weit. Während mehr als die Hälfte der DAX-Unternehmen formal die 40%-Hürde bei Frauen genommen haben, dümpeln Unternehmen wie Porsche SE, SAP und Adidas weiter deutlich darunter. Die Studie, auf der diese Zahlen beruhen, wird jährlich von Russell Reynolds Associates erhoben und gilt als Standard für das deutsche Aufsichtsgremium-Dickicht. Es bleibt also noch viel zu tun – und gelegentlich kann man den Eindruck gewinnen, all die Initiativen sind eher Schildbürgerstreiche im Windschatten des europäischen Fortschritts.
In den vergangenen Jahren tat sich in Sachen Gleichstellung in den Aufsichtsräten der DAX-Konzerne einiges – doch nun stagniert der Frauenanteil und die durchschnittliche Verweildauer weiblicher Mitglieder ist auf einen historischen Tiefstand gefallen. Während die DAX-Unternehmen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wie Frankreich oder Norwegen zurückfallen, steigt immerhin der Anteil weiblicher Aufsichtsratsvorsitzender auf fünf. Kritisch bleibt jedoch: Schlüsselpositionen wie der Präsidialausschuss sind weiter fest in Männerhand, und CEO-Erfahrung als Voraussetzung begrenzt das weibliche Kandidatenfeld massiv. Frauen, die ausscheiden, tun das deutlich jünger als ihre männlichen Kollegen. Nach Recherche in den aktuellen Online-Medien lässt sich feststellen, dass sich die öffentliche Diskussion zuletzt auf folgende weitere Themen konzentrierte: Die wieder aufflammende Debatte um verbindliche Quotenregelungen, die immer noch bestehende Lohnlücke, die Rolle von Netzwerken und Mentoring für Frauen sowie die verstärkte internationale Kritik am Rückstand Deutschlands.