Unbändiger Wille in Essen
Wer irgendwann aufgehört hat, an das berühmte Pokal-Märchen zu glauben, hätte gestern in Essen eines Besseren belehrt werden können – zumindest eine Halbzeit lang. RB Leipzig lag früh gegen Drittligist Rot-Weiss Essen zurück, als Lucas Brumme einen kompletten Verteidiger-Blackout kaltblütig ausnutzte. Leipzig schwächelt, aber bricht nicht
Dann, mitten ins Leipziger Durcheinander, die nächste Katastrophe: Seiwald fliegt mit Gelb-Rot runter, noch vor der Pause. Man hätte Wetten annehmen können, dass dem Favoriten jetzt alles entgleitet, aber Pokal hat eben seine eigenen Gesetze – keine Floskeln, sondern knallharte Realität in diesem Fall. Baumgartners Doppelschlag – ein Spiel kippt
Dass Fußball manchmal wie abruptes Wetter ist, zeigte sich im zweiten Abschnitt: Leipzig setzte alles auf eine Karte, spielte riskant, und – zack – zwei Tore von Baumgartner innerhalb von wenigen Minuten. Die Vorlage einmal von Nusa, dann durch Raum – unspektakulär in der Entstehung, aber knallhart im Abschluss. Essen verpasst das Märchen
Noch etwa ein Viertelstündchen zu gehen, Essen numerisch überlegen, aber die Beine wurden schwerer, der Kopf voller Fragezeichen. Ein klassischer Fall von „zu viel denken, zu wenig machen“. Bochum eiskalt
Parallel entfaltete sich in Bochum eine andere Geschichte. Kaum kam man aus der Pause, stand es schon durch einen abgefälschten Rasmussen-Schuss 1:0 für Bochum. Mainz, das sich zwar Mühe gab und allerlei Ballbesitz sammelte, blieb im letzten Drittel gefangen wie eine Fliege am Fenster. Das 2:0 durch Hofmann nach einem Konter entschied alles – Fußball kann auch einfach sein. Blick aufs große Bild
Die zweite Runde im Pokal zeigte wieder einmal, wie wenig Blatt Papier zwischen Sensation und Normalität passt: Augsburg schickt Großaspach aus dem Wettbewerb, Frankfurt gewinnt souverän in Hamburg. Doch es sind die kleinen Geschichten, die im Pokal bleiben. Leipzig, als großer Favorit, musste alles investieren – und Bochum erinnert die Bundesligisten daran, dass im Pokal sowieso alles möglich ist.
Widerstandsfähigkeit und Kaltschnäuzigkeit
Leipzigs Leistung gegen Essen war ein Musterbeispiel an Mentalität: Trotz Unterzahl nutzten sie die wenigen Chancen, die der wankende Pokalabend bot, vor allem durch Baumgartners beindruckenden Doppelschlag. Bochum setzte mit seinem Erfolg gegen Mainz ein Signal an den Rest des Feldes und zeigte, dass engagierte Teams die Favoriten ordentlich ärgern können. Auffällig ist in dieser Pokalrunde, dass gleich mehrere Bundesligisten mit mehr Mühe als gedacht weiterkamen oder sogar gestrauchelt sind – der Pokal bleibt so sperrig wie charmant.
Zusatz-Infos aus aktuellen Quellen
Im aktuellen Pressespiegel findet sich eine Analyse der Süddeutschen Zeitung, die hervorhebt, wie Leipzig nach der Gelb-Roten Karte taktisch umstellte und mit mehr Kompaktheit im Mittelfeld gegen das energische Pressing der Essener ankämpfte – besonders die Laufleistung von Schlager und Baumgartner wird dort lobend erwähnt. Die FAZ hebt die Spielerinterviews hervor, in denen Baumgartners Führungsanspruch und die emotionale Achterbahnfahrt für das Team spürbar werden. In den sozialen Medien – wie etwa in den Live-Tickern von Spiegel Online – wird vor allem Baumgartners Fähigkeit, sich in kurzer Zeit zweimal entscheidend durchzusetzen, als sinnbildlich für Leipzigs „Zweikampfstärke unter Druck“ genannt.