Wenn KI zum Gegenüber wird: USTP-Forscherin beleuchtet gesellschaftliche Effekte digitaler Sprachassistenten

St. Pölten – Was passiert, wenn künstliche Intelligenz nicht mehr bloß Werkzeug bleibt, sondern tatsächlich mit Menschen ins Gespräch tritt, Nähe schafft oder gar Beziehungsarbeit übernimmt? Genau diese spannenden Fragen stellt sich die Linguistin Sabine Lehner an der USTP – University of Applied Sciences St. Pölten. In ihrem Projekt "KIKKI" am Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung untersucht sie, welche Bilder von Sprache, Interaktion und Zusammenleben wir mit KI-Sprachsystemen verbinden – und wofür wir sie künftig verantwortlich machen wollen. Für ihre innovativen Forschungen erhielt Lehner das begehrte APART-GSK-Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).

27.10.26 19:01 Uhr | 8 mal gelesen

Digitale Sprachsysteme wie ChatGPT oder Gemini wurden innerhalb eines Wimpernschlags Teil des Alltags vieler – egal ob privat oder im Beruf. Diese rasante Verbreitung befeuert ganz neue Diskussionen: Welche Bilder von Kommunikation stecken eigentlich hinter diesen Systemen? Inwiefern verschiebt sich damit das Miteinander von Mensch und Maschine? Und was macht das auf lange Sicht mit unserer Gesellschaft? Sabine Lehner nimmt sich im "KIKKI"-Projekt genau diesen Fragen an, und zwar an der Schnittstelle Mensch-Maschine. Es geht ihr dabei vor allem um sogenannte Kommunikationsvorstellungen: Also – wie denken die Menschen, die solche KI bauen oder nutzen, eigentlich über Gespräch und Sprache? Mit welchen Erwartungen oder sogar Ängsten begegnen sie den neuen "sprechenden Maschinen"? Besonders brisant: Was passiert, wenn Maschinen in sensible Bereiche wie die Sozialarbeit vordringen und dort Beziehungen, Gespräche oder gar Fürsorge ersetzen? Empirisch betrachtet Lehner das Thema aus zwei Perspektiven: Sie befragt die Entwicklerinnen und Entwickler solcher Systeme wie auch die Praktikerinnen und Praktiker im sozialen Bereich – also den direkten Umgang mit KI-Sprachtools, beispielsweise beim Dolmetschen oder im Chat mit Klient:innen. Gerade in Bereichen, wo Vertrauen und Empathie zählen, werden Chancen und Risiken von KI-basierten Gesprächspartnern besonders deutlich. Ein Beispiel: In ihren Studien zu Apps wie "Replika" oder zur Unterstützung von Übersetzungen durch KI rückt Lehner immer wieder die Frage nach "sprachlicher Fürsorge" in den Vordergrund. Was ändert sich, wenn nicht mehr ein Mensch, sondern ein Computer Nähe und Trost spendet? Kann diese technische Unterstützung in schwierigen Lebenslagen mehr als nur ein Tool sein – oder bleibt sie immer künstlich, nie richtig verbindlich? Das Forschungsprojekt an der USTP vereint Know-how aus Technik, Sozialwissenschaften und Inklusionsforschung. Ziel ist es nicht nur, die Perspektive der Entwickler:innen, sondern auch die Praktiken von Sozialarbeiter:innen differenziert herauszuarbeiten: Welche Vorstellungen von gelungener Kommunikation sind künftig noch menschlich – und ab wann übernehmen Maschinen? Die Erkenntnisse sollen letztlich helfen, den Einsatz von KI in der Kommunikation besser zu verstehen und verantwortungsvoll zu gestalten. "Wir müssen genau hinschauen, welche Chancen und Grenzen KI als Gesprächspartner bietet, gerade in den Lebenswelten, in denen menschliche Nähe zentral ist", betont Lehner. Dafür erhielt sie das renommierte APART-GSK-Stipendium, das die unabhängige Forschung und innovative Projekte an der USTP mitträgt – eine besondere Würdigung auch für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Österreich.

Sabine Lehners Forschung nimmt die soziale Seite von Sprach-KI unter die Lupe: Ihr Projekt KIKKI analysiert, wie Menschen – Entwickler wie Sozialarbeitende – künstliche Gesprächspartner erleben und einschätzen. Spannend ist vor allem, wie Kommunikationsideologien und Vorstellungen von gelungener Interaktion dazu führen, dass KI-basierte Systeme teils schon Aufgaben im Beziehungsaufbau oder der Fürsorge übernehmen, wie etwa Chatbots zur emotionalen Begleitung oder Übersetzungshilfen in der Sozialarbeit. Erste Ergebnisse zeigen: Menschliche Nähe durch KI stößt auf ambivalente Reaktionen, besonders dort, wo Empathie und sorgende Kommunikation bisher fest an Menschen geknüpft waren. Im Zuge aktueller Entwicklungen und öffentlicher Debatten lässt sich beobachten, dass Chatbots sich rapide weiterentwickeln: Nach Einschätzungen aus neuen Artikeln steigen einerseits die Erwartungen an sozial verträgliche KI-Lösungen, andererseits wächst die Sorge um den Verlust menschlicher Expertise (siehe etwa Interviews mit Pflegekräften oder Sozialarbeitenden). Fachleute raten daher zu ethischen Leitplanken und empfehlen Experimentierräume, um den „Einstieg“ von KI in Beziehungsarbeit sinnvoll zu steuern. Neben Diskursen zur Verantwortung der Entwickler werden zudem neue Qualifikationen für Fachkräfte gefordert: So könnten etwa Fortbildungen im Umgang mit KI-Kommunikation bald Standard werden. Auch international zeigen Studien und Medienberichte, dass KI-basierte Kommunikation Themen wie Privatsphäre, emotionale Authentizität und die sich wandelnde Rolle des Menschen in Sorgeberufen stark beeinflusst. Entscheidungsträger:innen sind gefordert, gesellschaftliche Akzeptanz, Schutz der persönlichen Beziehungen und verantwortungsbewusste Implementierung in den Vordergrund zu stellen.

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