Wie schnell dreißig Jahre vergehen – das sieht vielleicht nur, wer wie Johanna Penz einer Kunstausstellung ihren eigenen Rhythmus, ihre Ecken und Kanten geschenkt hat. Am 23. bis 25. Oktober 2026 wird aus der ARTfair Innsbruck ein Jubiläum, das nicht bloß mit Wehmut an die Anfänge denkt, sondern erneut Pioniergeist atmet. Vom ersten Tag eine Bühne für internationale Strömungen – um die zwanzig Nationen sind auch dieses Mal am Start. Klassische Moderne trifft auf digitale Experimente: Neben Gemälden und Skulpturen aus aller Welt betreten Künstliche Intelligenz und Roboter die Szene – experimentierend, forschend, manchmal verstörend, immer spannend.
Zur feierlichen Sonderausstellung kommen erstmals, teils bislang nie gezeigte Werke von Bettine Heinen-Ayech aus München nach Innsbruck. Neben dieser Premiere bricht die hiesige Szene erneut aus dem Rahmen: Die Artgalerie am Hofsteig rückt Blue-Chip-Künstler Jürgen Norbert Fux ins Licht, während Pop-Art-Ikonen wie Michel Friess oder Klibensky frische Arbeiten zeigen. Die Mainart-Galerie aus der Schweiz bringt neue Werke von Peter-Felix Denzler und Salvatore Mainardi mit; wiederum setzt die Berliner Dikmayer-Galerie auf die Neuerfindung phantastischen Realismus mit Namen wie Jens Faesel oder Thorsten Gebhardt.
Ganz anderer Charakter: Das Karlsruher Debüt der coGalerie, die zwischen den Großen kleine, abseitige künstlerische Positionen aus Deutschland und Frankreich präsentiert. Überraschend „real“ werden Robotik und KI: Das REX | LAB der Uni Innsbruck animiert Roboter, mit Ton und Material zu arbeiten – fast als wären sie Künstlerkollegen, nicht Werkzeuge. Medienkünstler Attila.Attila schickt seine KI-Installation gar als Gedankenexperiment auf den Parcours.
Von Charity bis Nachwuchstalenten hält die Messe außerdem an sozialen und visionären Werten fest: Der Lions Club Goldenes Dachl organisiert die Kunst-Verlosung für den guten Zweck, und auf Nebenbühnen präsentieren junge Künstlerinnen und Künstler wie Sarah Jane Hofmann oder Chiara Sestak, wohin die Reise der Kunst führen könnte. Wer hier bummelt, eröffnet sich eine Welt, in der nicht alles planbar oder perfekt ist – aber das ist ja das Schöne.
Im Rückblick fällt eines auf: Johanna Penz hat nie aufgehört, der Kunst einen Platz des Risikos und der Offenheit zu geben. "Kunst ist ein Gespräch, keine Tapete", so Penz, die in drei Jahrzehnten Preise einheimsen und Grenzen ausloten durfte – vom Goldenen Verdienstkreuz Tirols bis zum Melvin Jones Award. Vielleicht hält gerade dieses eigensinnige, nie ganz abschließbare Streben die Messe frisch und relevant. Ausprobieren lohnt sich. Wer weiß – vielleicht verlässt man die ARTfair Innsbruck plötzlich mit einer ganz anderen Sicht auf die Dinge.
Die ARTfair Innsbruck feiert 2026 ihr 30-jähriges Bestehen mit einer besonders ambitionierten Ausgabe, die sich nicht nur auf den Erfolg der Vergangenheit ausruht, sondern neue Impulse hervorbringt. Das Programm bietet ein Alleinstellungsmerkmal durch die museale Ausstellung bislang unveröffentlichter Werke von Bettine Heinen-Ayech und schlägt zugleich die Brücke ins digitale Zeitalter durch Projekte mit KI und Robotik, die das Verhältnis von Mensch, Technik und künstlerischer Schöpfung offenlegen. Johanna Penz, die treibende Kraft dahinter, bleibt mit ihrer Überzeugung, dass Kunst Dialog und Innovation ist, eine prägende Figur – bestätigt auch durch zahlreiche Auszeichnungen.
Recherchen: In aktuellen Feuilletons wird die fortschreitende Verbindung von Kunstmessen und digitalen Technologien hervorgehoben – viele Veranstalter setzen verstärkt auf KI-basierte Installationen, um neues Publikum zu gewinnen. Auch der integrative Gedanke, Kunst als gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Motor zu verstehen, bleibt ein brisantes Thema, besonders vor dem Hintergrund globaler Veränderungen und regionaler Herausforderungen. Für junge Künstler bieten solche Messen wichtige Plattformen, um sichtbar zu werden und ihre Handschrift zwischen etablierten Namen einzubringen. Erweitert wird die Relevanz durch den Charity-Aspekt und die nachhaltigen Initiativen, welche den gesellschaftlichen Impact von Kunst betonen.