Der Preis, den Deutschland für Alkohol und Tabak zahlt, ist nicht allein an der Kasse zu sehen – das meint zumindest Hendrik Streeck. In einem Interview mit der 'Rheinischen Post' erklärte er sinngemäß, dass die Gewinne beim Verkauf gemacht werden, während die eigentlichen Kosten – beispielsweise für die Behandlung von Suchterkrankungen – die Gesellschaft als Ganzes trägt. Seiner Ansicht nach wäre es nur fair, die Steuerlast nach dem 'Verursacherprinzip' anzuheben. Dies sei auch keineswegs bloß Symbolpolitik, sondern handfeste Prävention, vor allem um Jugendliche vom Einstieg abzuhalten und die langfristigen Kosten im Gesundheitswesen zu bändigen. Es dürfe, so Streeck, nicht Argument sein, dass der Staat auf Einnahmen durch das Risiko einer kranken und zu frühem Tod neigenden Bevölkerung setzen könne. Ein weiteres oft vorgebrachtes Gegenargument, die Gefahr eines zunehmenden Schwarzmarkts, lässt Streeck nur bedingt gelten: Niemand dürfe sich durch mögliche Regelverstöße ein 'Vetorecht' verschaffen. Gesundheit müsse sich gesellschaftlich und politisch schlicht und einfach lohnen.
Unterstützung erhält Streeck von der Bundesärztekammer. Deren Präsident, Klaus Reinhardt, sieht eine Anhebung der Steuern auf Tabak- und Nikotinprodukte als unverzichtbares gesundheitspolitisches Instrument. Rauchen zähle immer noch zu den größten, eigentlich vermeidbaren Gesundheitsrisiken in Deutschland. Die direkten Behandlungskosten für tabakbedingte Krankheiten schlagen nach Angaben Reinhardts jährlich mit etwa 30 Milliarden Euro zu Buche – eine enorme Belastung für das Gesundheitssystem. Daher sei jede Person, die gar nicht erst mit dem Rauchen anfängt oder frühzeitig damit aufhört, eine Entlastung für uns alle.
Die Debatte um höhere Steuern auf Tabak und Alkohol wird nicht nur aus finanziellen Gründen geführt, sondern insbesondere mit Blick auf den Schutz der öffentlichen Gesundheit und die Vermeidung vermeidbarer Kosten für das Gesundheitssystem. Forschungen zeigen, dass Preissteigerungen zu einem Rückgang des Konsums führen – insbesondere bei Jugendlichen und sozial benachteiligten Gruppen, die besonders empfindlich auf Preiserhöhungen reagieren. Obwohl Kritiker vor einem wachsenden Schwarzmarkt und möglichen Steuerausfällen warnen, belegen internationale Erfahrungen, dass eine ergänzende Strategie aus Prävention, Aufklärung und konsequenten Kontrollen diese Risiken abmildern kann. Laut aktuellen Presseberichten und Aussagen von Experten werden zunehmend auch psychische und gesellschaftliche Schäden durch Suchtmittelkonsum ins Zentrum der politischen Diskussion gerückt: Streeck und Ärzte fordern daher, die Verantwortung für Folgekosten solidarisch neu zu ordnen.