Realismus statt Klimagipfel-Pathos
Man kennt es ja: Vor jeder großen Klimakonferenz weht ein Hauch von Aufbruch, doch Klimaökonom Ottmar Edenhofer sieht das eher nüchtern. Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk schraubt er Erwartungen an Antalya deutlich herunter und meint, es gehe heutzutage mehr um vernünftige Umsetzung als um bahnbrechende Beschlüsse.Minigruppen statt Mammut-Bündnisse
Sehr realistisch, fast schon ernüchternd, beurteilt Edenhofer die Chancen, dass in Antalya wirklich alle Staaten dieselben Schritte gehen. Viel sinnvoller, so sein Ansatz, wäre es, kleinere Zusammenschlüsse – eine Art Pragmatiker-Cluster – zu bilden, in denen Staaten mit deckungsgleichen Interessen zügig vorangehen."Internationales Handeln sollte aus eigenem aufgeklärten Interesse geschehen", sagt er sinngemäß. Nicht auf den großen Wurf warten, sondern Mosaiksteine legen – so in etwa sein Motto.
Elektrifizierung auf dem Prüfstand
Für die Tage in Antalya steht vor allem das Thema Elektrifizierung im Mittelpunkt. Klar, der Strom soll’s richten, wenn es um Dekarbonisierung geht: Verkehr, Unternehmen, Häuser – die Liste ist lang. Doch Edenhofer warnt: Schönfärberei hilft keinem, solange am Ende nur bunte Schaubilder, aber keine Kreditrahmen stehen.Ohne verlässliche Zusagen zur Finanzierung bleiben die ambitioniertesten Ziele nur Versprechen auf Papier.
Beziehungen zwischen EU und China: Potenzial mit Tücken
Als mögliches Erfolgsmodell nennt Edenhofer die Zusammenarbeit zwischen EU und China – die beiden sind bekanntlich die Schwergewichte beim Öl- und Gasimport. Drehen diese am Importhahn, könnten sie den Weltmarkt ordentlich durchrütteln. Ob das Realität wird, hängt aber stark davon ab, ob beide Seiten langfristig auf gemeinsame Strategien setzen. Und: Papier ist bekanntlich geduldig.Brücken bauen in kleinen Schritten
Der Gedanke, durch kleinere Bündnisse – Edenhofer spricht von "Minilateralismus" – schneller voranzukommen, ist reizvoll. Große Versammlungen bringen leider oft nur sonntägliche Absichtsbekundungen. Mit kleineren Partnergruppen könnten aber tatsächlich Projekte starten, vorausgesetzt, die Chemie stimmt und alle ziehen wirklich mit.Im Kern entscheidet sich alles daran, ob die neuen Lösungen nicht nur schick klingen, sondern für Haushalte und Unternehmen praktikabel und bezahlbar sind.
Kurzer Pressespiegel als Abschlussgedanke
Interessanterweise zeigt ein Blick in aktuelle Medienberichte: Der SWR nimmt Pakistans Solarwende unter die Lupe – ein handfestes Beispiel, wie sauberer Strom lokal funktionieren kann. Der Deutschlandfunk wiederum pickt sich Edenhofers Finanzierungsforderungen und seinen Ruf nach sozialer Ausgewogenheit heraus.Doch noch geben sich die Kommentatoren wenig optimistisch, dass aus Antalya mehr wird als ein Treffen mit wohlklingenden, aber wenig bindenden Zusagen.