Ein Hauch von Harmonie: Merz lobt Trump nach überraschendem Nato-Gipfel

Nach dem Nato-Gipfel in Ankara zeigt sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) unerwartet angetan von US-Präsident Donald Trump und beschreibt dessen Auftritt als überraschend konstruktiv – samt einer ungewöhnlich versöhnlichen Atmosphäre.

08.07.26 16:37 Uhr | 1 mal gelesen

Was bleibt von diesem Nato-Gipfel hängen? Nicht nur die üblichen Floskeln – Bundeskanzler Merz zeigte sich sichtbar beeindruckt von Donald Trumps Engagement während der Gespräche. Der US-Präsident sei stets präsent gewesen, habe sogar den Delegierten kleinerer Staaten aufmerksam zugehört – was man so vielleicht gar nicht unbedingt erwartet hätte. Und dann war da noch dieser bemerkenswerte Abschluss: Trump sprach tatsächlich von einer "Love in the air", ein Satz, der Merz – eigenen Worten nach – gleichzeitig überraschte und freute. Das ist fast schon kitschig, aber offenbar authentisch gemeint. Ein merkwürdiger, fast schon menschlicher Schlusspunkt angesichts der vorherigen Spannungen. Merz zog insgesamt eine zuversichtliche Bilanz – die Nato sei aktuell "europäischer als je zuvor" und trotzdem felsenfest transatlantisch verbunden. Europa werde künftig mehr Verantwortung übernehmen, aber ohne die Einbindung in das Bündnis mit den USA aufs Spiel zu setzen. Das Ziel? Die Aufgaben fairer verteilen, damit die Allianz als Ganzes wächst und stark bleibt. Trump selbst hatte im vertrauten Kreis durchaus lobende Worte für europäische Anstrengungen, beispielsweise Spaniens jüngste Bemühungen – in der Öffentlichkeit klingt er oft schärfer, so Merz. Interessant auch Merz' Ehrlichkeit: Die Zeiten, in denen Europa im Schlepptau der USA unterwegs war und sich auf deren militärisches Rückgrat verließ, scheinen vorbei. "Die Trittbrettfahrerei der Europäer ist jetzt halt zu Ende." Eine nüchterne, nicht ganz neue Feststellung – doch diesmal klingt sie glaubhaft. Europas gestiegene Verteidigungsausgaben seien kein freundschaftliches Geschenk an die USA, sondern schlichtes Eigeninteresse – pragmatisch, aber notwendig.

Der Nato-Gipfel in Ankara brachte laut Merz eine überraschend versöhnliche Note in die Beziehungen zwischen den USA und Europa, insbesondere dank Trumps unerwartet kooperativem Auftreten und seiner ungewohnten Wertschätzung gegenüber europäischen Partnern. Merz betonte, dass die Nato zunehmend von europäischem Engagement geprägt sei, wobei Europas wachsende Verantwortung in puncto Verteidigung nicht zuletzt an gestiegenen Ausgaben sichtbar werde. Mehrere Medien berichten zudem, dass die Allianz zunehmend über die Rolle der US-Führung und Europas Eigenständigkeit diskutiert; dabei bleibt Unsicherheit, wie nachhaltig die beschworene Harmonie wirklich ist – einige Politiker, gerade aus Osteuropa, äußern weiterhin Skepsis, ob Trumps freundlicher Tonfall auch in Zukunft Bestand hat. Laut einem aktuellen FAZ-Bericht bezeichneten Diplomaten die Beratungen als respektvoller als erwartet, obwohl zentrale Meinungsverschiedenheiten über die Lastenverteilung weiterhin bestehen. (Quelle: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.usa-nato-ankehr-gipfel.464e4238-7574-4ef7-a2a6-9a80aec0f62d.html). Ein Bericht in der SZ hebt hervor, dass hinter geschlossenen Türen trotzdem intensiv um Formulierungen zu Verteidigungszusagen und Haushaltsziele gerungen wurde (https://www.sueddeutsche.de). Unterdessen fragt die ZEIT, ob der neue europäische Kurs im Bündnis auf Dauer von allen Mitgliedsländern mitgetragen wird, da manches Land befürchtet, zwischen den Blöcken aufgerieben zu werden (https://www.zeit.de).

Schlagwort aus diesem Artikel