Da steht sie also, die Elektromobilität – kurz davor, entweder den großen Sprung zu machen oder doch wieder zurückzurutschen. Immer mehr Menschen, quer durch die Kontinente, schauen inzwischen mit echtem Interesse auf batteriebetriebene Fahrzeuge. Klar, das Schattenspiel von teuren Spritpreisen und der Vielfalt an elektrischen Modellen macht die Entscheidung leichter. Aber reicht Begeisterung wirklich? Laut der jüngsten BearingPoint-Studie geht's letztlich um Vertrauen, Ladechancen – und um die Frage, ob man ein E-Auto irgendwann auch mit einem guten Gefühl gebraucht fahren oder verkaufen kann.
Global betrachtet steuern besonders bald kaufwillige Menschen auf Elektro zu – Indien fällt hier übrigens auf, denn obwohl dort weniger Geld pro Kopf rumliegt, punkten E-Autos als günstige Alltagsalternative. Bedeutet: Wir sind längst raus aus der Phase der Technik-Vorreiter, E-Fahrzeuge locken die breite Masse, solange ein paar dicke Brocken angegangen werden. Während Chinas BEV-Markt schon erwachsen wirkt, hakt es zum Beispiel in Deutschland und Großbritannien noch an Alltagstauglichkeit.
Ohne Strom, keine Bewegung: Während Technik und Reichweite mittlerweile ziemlich überzeugen, steht und fällt alles mit dem Alltag – sprich, mit der Ladeinfrastruktur. Ein Drittel bis die Hälfte der Leute in Deutschland, Großbritannien und den USA haben keinen verlässlichen Zugang zu Lademöglichkeiten – und da hilft auch das cleverste Auto nichts. Solange Laden nicht so unkompliziert funktioniert wie Tanken, bleiben viele skeptisch.
Ein weiteres Hindernis kommt vielleicht unerwartet: Für viele ist der Autokauf inzwischen eine Art Risikoabwägung. Überraschend viele Leute, so zeigt die Studie, sind noch nie selbst elektrisch gefahren – ihre Hemmschwelle bleibt deshalb hoch. Die meisten wägen ab: Was kann die Batterie? Wie lange hält die? Wie sieht´s mit Reparaturen, Garantie und IT-Sicherheit aus? Preisnice-to-have, aber eben nicht alles entscheidend. Die Strahlkraft alter Automarken verblasst dabei langsam, wenn’s ans E-Auto geht.
Die Gretchenfrage bleibt jedoch: Wie entwickelt sich der Gebrauchtwagenmarkt? Gebrauchte E-Autos – speziell solche mit ein paar Jahren auf dem Buckel – sind derzeit für viele eher Wundertüten als sichere Sache, weil gerade rund um die Batterie oft Unsicherheit herrscht. Ein Zertifikat für den Batteriezustand würde da den Unterschied machen. Ohne transparente Standards und langfristige Restwertmodelle droht der Secondhand-Markt zur echten Hürde zu werden.
Was die Marken angeht: Während im Heimatland weiterhin Traditionshersteller vorneweg fahren, holen global Anbieter wie Hyundai und Kia mächtig auf – viele Käufer:innen interessieren sich inzwischen mehr für Technik und Leistung, weniger für den Nostalgiefaktor. Wer daher beim Thema Elektromobilität den Durchmarsch schaffen will, muss nicht nur beim Neuwagen punkten, sondern gerade im Gebrauchtsegment Vertrauen schaffen.
Die befragte Studie stützt sich auf rund 10.000 Teilnehmende aus fünf Ländern und erfasst Einstellungen, Erfahrungen und Anforderungen an Ladebedingungen und Markenvertrauen. Bereits seit 2024 wird der Index jährlich erhoben.
Mehr Infos zur Studie und zu BearingPoint selbst: www.bearingpoint.com
Die Elektromobilität kämpft an einer kritischen Schwelle zwischen Frühadoption und Massennutzung – das größte Hindernis ist nicht mehr die Technik, sondern die Ladelogistik und die Unsicherheiten rund um gebrauchte E-Fahrzeuge. Studien zeigen: Erst wenn Standards für Batteriegesundheit, ein transparenter Gebrauchtwagenmarkt und flächendeckende Ladeinfrastruktur stehen, kann der große Durchbruch gelingen. Interessant: Gerade jüngst berichtete die Süddeutsche Zeitung, dass laut einer aktuellen Umfrage der ADAC viele Menschen ein E-Auto am häufigsten dann kaufen würden, wenn sie ein Ladesäulennetz wie Tankstellen vorfinden und zu gebrauchten Modellen mehr Garantien erhalten würden (vgl. Quelle: Süddeutsche Zeitung). Zeit Online wiederum hebt hervor, dass der globale Preiskampf – ausgelöst durch chinesische Hersteller wie BYD – die Margen für deutsche Hersteller unter Druck setzt, während Kund:innen zunehmend nach transparenten Garantien im Gebrauchtmarkt fragen (Quelle: ZEIT ONLINE). Spiegel.de berichtet, dass die Bundesregierung zusätzliche Milliarden für Schnellladesäulen bereitstellen will, da der Markthochlauf nur gelingt, wenn Alltagsnutzer:innen sich auf konstante Ladeverfügbarkeit verlassen können (vgl. Quelle: Spiegel.de).