Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat, frisch veröffentlicht am Mittwoch, penibel nachgerechnet: Seit 2007 wurde das Elterngeld von der Inflation geradezu aufgefressen, knapp 32 Prozent an Kaufkraft sind inzwischen verloren gegangen. Die aktuellen Vorschläge des Familienministeriums sehen vor, das Elterngeld demnächst nur noch für zwölf Monate (statt bisher vierzehn) auszuzahlen, vorausgesetzt beide Eltern steigen jeweils für drei Monate aus dem Job aus. Rein rechnerisch sollen Minimum und Maximum moderat wachsen: von 300 auf 330 Euro im Mindestfall, im Bestfall von 1.800 auf 1.900 Euro. Doch das, betont das IW, reicht nicht im Ansatz aus, um die Geldentwertung auszugleichen. Ehrlich gesagt müsste der Höchstbetrag bei etwa 2.591 Euro landen, der Mindestsatz bei 432, um wirklich den Unterschied zu machen. Die geplante Reform hat noch eine weitere unschöne Nebenwirkung: Sie könnte vor allem Familien treffen, bei denen die Einkommen der Eltern sehr unterschiedlich sind oder sich nicht beide Eltern eine längere berufliche Pause leisten können. Besonders bitter wird es für Alleinerziehende – ihnen droht eine Lücke von drei Monaten komplett ohne Elterngeld und ohne Betreuungsangebote. Das trifft vor allem größere Familien, in denen die Mutter vielleicht aufgrund älterer Kinder ohnehin schon kürzer tritt. Man fragt sich, ob die Ziele dieser Reform wirklich mit den Realitäten der meisten Familien zusammenpassen.
Das Elterngeld ist seit seiner Einführung 2007 um 31,5 Prozent inflationsbereinigt entwertet worden – so das Ergebnis einer IW-Studie. Die geplante Reform könnte viele Familien finanziell stärker belasten, insbesondere Alleinerziehende und Mehrkindfamilien, da bei ihnen künftig Lücken in der Finanzierung entstehen könnten. Rückblickend zeigen Recherchen, dass seit Jahren ExpertInnen und Verbände auf die immer weiter auseinanderklaffende Schere zwischen Familienrealität und staatlicher Förderung hinweisen – aktuell fordert etwa der Paritätische Gesamtverband stärkere Maßnahmen gegen die tatsächliche Entwertung sozialpolitischer Leistungen.