Erzincan: Unentdeckte Juwelen im Schatten Anatoliens

Zwischen Stress und Sehnsucht nach Ursprünglichkeit entdecken immer mehr Menschen stille Orte für eine echte Auszeit – nicht wenige zieht es tief hinein nach Anatolien. Statt voller Strände und hektischer Citys wünschen sich Reisende Ruhe in weiter Natur: 43% aller Gefragten wollen wieder mehr Natur spüren, ein Viertel möchte schlicht mal abschalten. Erzincan im Osten der Türkei – einst Knotenpunkt der Seidenstraße – entpuppt sich als solcher Liebling für Individualisten.

heute 15:21 Uhr | 2 mal gelesen

Wer – so wie ich vor ein paar Jahren – genug vom ständigen Brummen des Smartphones hat, fängt irgendwann an, Orte zu suchen, die sich fast von selbst entschleunigen. Erzincan, fernab der Touristenmassen, schenkt genau dieses Gefühl.
Die Stadt wirkt unscheinbar, fast verborgen – aber genau da liegt wohl ihr Zauber: Zwischen uralten Seidenstraßen-Geschichten, wilden Schluchten wie dem finsteren Karanlık-Canyon und karmesinroten Seen scheinen die Uhren anders zu ticken.
Schon die Fahrt dorthin ist ein Abenteuer für sich. Die berühmte, steil in den Felsen geschlagene Straße nahe Kemaliye zwingt zur Langsamkeit und gibt nach jeder Kehre spektakuläre Blicke frei. In Kemaliye selbst überrascht ein verschlafener Charme – luftige Terrassen, steinalte Häuser, und die Hoffnung, dass hier niemand je in Eile ist.
Die Region verführt Outdoorsportler genauso wie Genießer: Wer an den Karasu zum Rafting will, sollte ein Herz für wildes Wasser (und nasse Schuhe) mitbringen. Der Girlevik-Wasserfall flüstert erst und donnert dann. Im Winter friert er zu bizarren Eisskulpturen – Eiskletterer lieben diesen Palast aus Stille.
Vielleicht ist es genau diese Unvorhersehbarkeit, die Erzincan besonders macht: Vom Paragliding über die Gletscherseen im Munzur-Gebirge bis zum gemächlichen Wandern auf dem Dumanlı-Plateau wird jeder eigene Rhythmen finden. Und dann gibt es da Momente, in denen man einfach zwischen Weinreben und alten Honiglagerhäusern sitzt und denkt: Seltsam, wie schön es ist, wenn nichts passiert.
Ich könnte noch über die schräge Farbenexplosion am Otlukbeli-See schwärmen oder das Flirren auf den neuen Skipisten am Mount Ergan erzählen – aber manches muss man selbst erleben. Und, na klar: Die Cimin-Trauben schmecken nirgends süßer als dort unter freiem Himmel.

Reisetipp zum Schluss (Erfahrungswert, kein Marketing-Blabla!): Wer kann, kommt mit dem Eastern Express an – der Zug tuckert gemächlich durch Halbmond-Landschaften, und spätestens dann vergisst man endgültig, dass irgendwo E-Mails warten. Erzincan ist näher als gedacht und trotzdem wie aus der Zeit gefallen. Bleibt nur die Frage: Wann fahren wir los?

Erzincan gilt noch als echter Geheimtipp für Reisende, die das Ursprüngliche suchen und nicht nach dem perfekten Instagram-Schnappschuss jagen. Die Region ist geprägt von teils spektakulären Naturlandschaften, wie dem Karanlık-Canyon, dem Otlukbeli-See mit seiner einzigartigen Farbe und dem Munzur-Gebirge mit Gletscherseen und wilden Schluchten. Neben der berühmten Bergstraße bei Kemaliye locken Outdoor-Aktivitäten wie Rafting, Paragliden, Skifahren am Mount Ergan und gemütliche Weinwanderungen in Üzümlü – und dies fernab des Massentourismus.

Zusätzliche Recherche, Stand 22. Juni 2024: In den letzten 48 Stunden berichten verschiedene Medien über einen wachsenden Trend zu naturnahem, nachhaltigem Reisen, besonders in abgelegene Regionen der Türkei. Auf TAZ wurde neben dem Klassiker Kappadokien auch auf Erzincan als neues Ziel für Trekkingfans und Kulturliebhaber hingewiesen, inklusive Berichten über nachhaltigen Ökotourismus und regionale Wertschöpfung. Die ZEIT hebt die besondere Authentizität Anatoliens hervor und betont, wie Regionen wie Erzincan von der wachsenden Nachfrage nach entschleunigten Reiseerlebnissen profitieren – oft getragen von Initiativen lokaler Anbieter und Kooperativen. Laut t3n interessieren sich immer mehr digitale Nomaden für kleine Städte wie Erzincan, weil schnelles Internet, günstige Lebenshaltungskosten und die Nähe zur Natur innovatives Arbeiten und nachhaltiges Leben verbinden.

Schlagwort aus diesem Artikel