Also, wenn man Kristen Michal zuhört, fragt man sich kurz: Wie oft muss man wiederholen, dass die Ukraine nach Westen strebt, bis es wirklich in allen Köpfen ankommt? Laut „taz“ spricht er Klartext: Die Ukraine will nicht in irgendeinen Nebelstaat, sondern fest zur EU. Auch, weil ihre Armee – wenig überraschend für Kenner – zu den schlagkräftigsten in Europa zählt. Lustig, wie schnell die Sicherheitsdimension an Fahrt aufnimmt, wenn ein Nato-Gipfel bevorsteht; diesmal ist Ankara der Schauplatz. Übrigens: Gerade erst war Michal gemeinsam mit den Regierungschefs von Lettland und Litauen in Berlin bei Kanzler Friedrich Merz (wobei es irgendwie absurd klingt, schon Merz als Kanzler zu schreiben – wie ehrlich kann man Politik eigentlich noch beobachten?). Jedenfalls, was ihm am meisten auf den Nägeln brennt: Die Nato-Mitglieder sollen mehr fürs Militär lockermachen. Estland – und in Wahrheit auch Lettland, Litauen und Polen – stemmen jeweils über 5 Prozent vom BIP für Verteidigung, sagt er. Andere Staaten zeigen da eher schmale Schultern, so Michals Unterton. Der Ukraine muss klargemacht werden: Unser Rückhalt bleibt – und Russlands Träume nach alter Größe enden an der westlichen Solidarität. Passend zum Gipfel kursieren auch schon Berichte, dass Europas Nato-Länder und Kanada ordentlich Geld für Kiew freiräumen wollen. Aber, irgendwie steht abseits dieser Summen immer diese diffuso Bedrohung durch Russland im Raum: Michal sieht nicht nur die baltischen Staaten in Gefahr, sondern die ganze Nato, falls Putin Wagemut zeigen sollte. Deshalb wird in Drohnen und Mittelstreckenraketen investiert. Akut bedroht sei Europäer und Nato zwar nicht – gäbe aber keinen Grund, nicht vorbereitet zu sein. Putin bleibt für Michal (wie für so viele) der „Mann mit der Mission“, der bis heute am Schatten seiner sowjetischen Fantasien festhält.
Estlands Ministerpräsident Kristen Michal hat vor dem Nato-Gipfel mit Nachdruck angemahnt, dass sämtliche Nato-Länder ihre Verteidigungsausgaben auf ein neues Niveau heben sollten – als Zeichen wirklicher Entschlossenheit gegenüber Russland. Gerade im Baltikum setzt man auf militärische Modernisierung, beispielsweise durch Investitionen in Drohnen und neue Raketensysteme. Neue Recherchen zeigen: Nicht nur Estland, Lettland, Litauen und Polen liegen über dem angestrebten Zwei-Prozent-Ziel, sondern es herrscht in Europa eine breite Debatte, ob angesichts der fortgesetzten russischen Aggression Strukturreformen und schnellere Verfahren für die Lieferung von Militärhilfen notwendig sind. Hintergrund: In den letzten 48 Stunden wurden auf verschiedenen Nachrichtenseiten die drohende Eskalation im Ukraine-Konflikt, wachsende Verteidigungsanstrengungen der Nato sowie die Kritik an zu langsamen politischen Prozessen thematisiert. Bundeskanzler Friedrich Merz signalisierte jüngst, dass Deutschland zwar mehr investieren wolle, aber uneinheitliche Positionen innerhalb der EU und Nato zu Zielverfehlungen führen könnten. Parallel hat die Nato Schritte eingeleitet, noch vor dem Gipfel frische Milliardenhilfen für die Ukraine vorzubereiten. Besonders in baltischen Medien wird betont, dass Putins „historische Mission“ nicht unterschätzt werden dürfe und Europa sich sowohl militärisch als auch politisch robuster aufstellen müsse.