Fahrgastverband: Bahnkund*innen loben neue Chefin für klare Ansagen

Nach der Präsentation der jüngsten Geschäftszahlen rechnet der Fahrgastverband Pro Bahn der neuen Bahnchefin Evelyn Palla hoch an, keine unrealistischen Versprechen mehr abzugeben. Detlef Neuß, Verbandsvorsitzender, sieht darin einen erfrischenden Kurswechsel.

heute 13:12 Uhr | 4 mal gelesen

Man spürt in den Aussagen des Verbandschefs Detlef Neuß fast eine Art Erleichterung: Endlich Schluss mit dem jahrelangen Schönreden. 'Frau Palla benennt die Probleme offen, statt uns weiter Märchen zu erzählen', wird er in der Presse zitiert. Dass die Bahn nun erneut einen Milliardenverlust einfährt, verkauft sie nicht mehr als rein technisches Detail – Ehrlichkeit statt Hinhaltetaktik. Neuß findet, dieser ehrliche Umgang ist überfällig, alleine aber kein Allheilmittel: 'Nur mit offenem Visier kommt man auch nicht weit, wenn der Bund als Eigentümer sich nicht stärker finanziell engagiert.' Hinsichtlich der weiter steigenden Fahrgastzahlen verweist er auf naheliegende Gründe. Im Nahbereich bringt das Deutschlandticket viele neue Kundinnen und Kunden, im Fernverkehr ist es wohl zähfließender Verkehr und überteuertes Benzin, die viele in die Züge treiben. Gerade die bevorstehenden Ostertage könnten zeigen, ob die Bahn mehr kann als Kreide schlucken: Mehr Menschen wollen fahren, aber die Kapazitäten sind begrenzt. Ob daraus eine Imageaufwertung oder ein Debakel wird, bleibt abzuwarten. Da hilft nur: abwarten und Tee trinken – im besten Fall im Bordbistro.

Die Bahn unter Evelyn Palla setzt einen neuen Ton – ehrlich statt schönfärberisch. Doch auch Offenheit ersetzt keine Investitionen: Es braucht politische und finanzielle Rückendeckung, um die Ziele zu erreichen. Die Herausforderungen zu Ostern mit erwartbar hoher Auslastung werden zum Prüfstein, ob die Bahn einen glaubwürdigen Wandel schafft. Neueste Medienberichte sprechen davon, dass Evelyn Palla sich für eine Verstärkung beim Personal engagiert, alte Strukturen aufbrechen will und sich vor allem auf die Modernisierung des Netzes fokussiert. Laut 'Tagesspiegel' steht sie wegen der massiven Baustellen aber auch intern unter hohem Erwartungsdruck. Weitere Stimmen, etwa im 'Spiegel', fordern ebenso ein Umdenken bei der Finanzierung des Netzausbaus, um künftigen Problemen vorzubeugen. Ehrlichkeit allein reicht jedenfalls nicht – das neue Narrativ muss sich bald auch in Verbesserungen zeigen.

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