Finnland: 'Jetzt ist nicht die Zeit' – Außenministerin Valtonen warnt vor vorschnellen Kontakten mit Moskau

Elina Valtonen, oberste Diplomatin Finnlands, sieht in Gesprächen mit Russland derzeit keinen Spielraum und mahnt Europa zur Geschlossenheit und Widerstandskraft.

heute 14:17 Uhr | 2 mal gelesen

Eigentlich könnte man ja meinen, dass nach all den Widrigkeiten mit Russland irgendjemand in Europa auf Durchzug schaltet – aber nicht Elina Valtonen. Im Interview mit der FAZ wirkt Finnlands Außenministerin entschlossen, vielleicht ein bisschen müde vom ewigen Wiederholen derselben Warnungen, aber klar in der Botschaft: Kein Zurück in jene Zeit, in der man Moskaus Eskapaden auf dem diplomatischen Parkett freundlich überging. Sie spricht in wir und meint: Europa als Ganzes. Abschreckung, sagt sie, sei weiterhin das Gebot der Stunde, selbst da, wo früher Träume von fruchtbaren Wirtschaftsbeziehungen waberten. Die Vorstellung, jetzt wieder auf Handel oder gar auf „Business as usual“ mit dem russischen Staat zu setzen – für Valtonen völlig abwegig. Ja, es gibt diplomatische Fenster. Aber bevor man sich im Eifer des Gefechts ans Telefon nach Moskau wirft, sollte man erstmal innehalten: Wo soll das eigentlich hinführen? Aus ihrer Sicht darf Europa keinen falschen Frieden anbieten, keinen, der die Ukraine unter den Tisch fallen lässt oder Russlands expansive Ziele kaschiert. Ihr Verständnis von Bündnissen ist deutlich – eine E3-Exklusivrunde zwischen Berlin, Paris und London wäre ihr zu wenig: Auch die östlichen Länder und die Nordics (Finnland, Schweden…) müssten mitreden dürfen. Immerhin, so lässt sie durchblicken, sind genau jene Staaten die wahren Puffer und Unterstützer an der russischen Grenze. Vielleicht klingt das alles nicht gerade nach Hoffnung auf Entspannung. Aber – und das hebt Valtonen hervor – gerade jetzt ist nicht die Zeit für vermeintlich schnelle Lösungen.

Finnlands Außenministerin sieht aktuell keinen Spielraum für politische Gespräche mit Russland und fordert stattdessen eine harte, geeinte europäische Linie gegenüber Moskau. Sie warnt davor, die Lehren aus der Vergangenheit zu vergessen, und mahnt eindringlich zu Kontinuität bei Verteidigung und Abschreckung statt vorschneller diplomatischer Schritte. Bemerkenswert ist, dass Valtonen die Bedeutung der nordischen und östlichen EU-Staaten betont – womit sie einen Perspektivwechsel gegenüber der klassischen westlichen Führungsrolle in Europa anstoßen möchte. In aktuellen Medienberichten ist zudem zu lesen, dass Finnland die Grenzsicherung massiv verstärkt und russische Visa-Anträge noch restriktiver behandelt, während in Stockholm und Helsinki die Angst vor neuen hybriden Angriffen wächst. Nach einer Recherche zeigt sich: Die Debatte in Europa spitzt sich zu, ob und wie ein eventueller Friedensdialog überhaupt strategisch vorbereitet werden kann, ohne dem Kreml in die Hände zu spielen. Auch andere Länder wie Estland und Lettland drängen darauf, dass ein Dialog mit Russland nur auf Basis klarer, nicht verhandelbarer Prinzipien geführt werden darf – und keinesfalls, bevor russische Truppen den Großteil der Ukraine verlassen haben.

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