Fluchten, Tunnel und Gespräche unter der Erde: Staffel 2 des NDR-Podcasts „Zeitkapsel“ hebt ab

Hamburg – Achim Neumann war 22, als ihn die Berliner Mauer in der DDR gefangen hielt. Das Regime wurde für ihn immer unerträglicher, gerade weil Freigeister brutal mundtot gemacht wurden. Schon wenige Monate nach dem Mauerbau wagte Achim die Flucht – aus Liebe und Freiheitshunger. Sein Plan, auch seine Freundin aus dem Osten zu holen, trieb ihn schließlich in ein waghalsiges Tunnelabenteuer.

03.07.26 11:52 Uhr | 1 mal gelesen

Im Podcast „Zeitkapsel“ von NDR Kultur schildert Achim auf faszinierende, manchmal verstörende Weise, wie er und Gleichgesinnte einen Tunnel unter der Mauer gruben, bis Verrat, Wassereinbruch und Gewalt die Mission mehrfach an den Rand des Scheiterns brachten. Geschichten von Jugendlichen, die wegen subversiver Musik weggesperrt wurden, mischen sich mit ganz alltäglicher Angst – und mit der Überlebenslust, die ihn antrieb. Bei alledem steht eine unsentimentale, große Liebe im Zentrum: Für seine spätere Frau riskierte Achim 1961 Kopf und Kragen. Wie in der ersten Staffel, als Holocaustüberlebende Irene Butter im Mittelpunkt stand, kommen auch diesmal junge Menschen ins Spiel: Eva und Josef, zwei Teenager aus Lohne, unterhalten sich mit dem über 80-jährigen Zeitzeugen und entdecken Parallelen, trotz aller historischen Entfernung. Im Podcast steigen sie sogar mit Achim in einen originalen Fluchttunnel – modrig, finster, neun Meter unter der Erde. Da wird Geschichtsstunde zur Zeitreise, die genauso mit Dreck unter den Fingernägeln wie mit Schaudern und Respekt endet. Die neue Staffel ist atmosphärisch dicht, liebevoll gestaltet – mit Archivmaterial, Soundeffekten und kleinen Alltagsgesprächen. Wiebke Keunecke führt klug, aber unaufdringlich durch die Episoden und hilft, historische Zusammenhänge einzuordnen, wo es nötig ist. Produziert wird wieder mit Studio van Meer; die Redaktion beim NDR lag bei Katharina Mahrenholtz. Acht Folgen, ab 3. Juli 2026 bei ARD Sounds – und wer möchte, kann direkt die ersten zwei anhören. Ein „Begreifen“ im besten Sinne. Podcast-Link: https://1.ard.de/zeitkapsel-2 Presseinformationen: https://story.ndr.de/zeitkapsel/index.html

Mit 'Zeitkapsel – Achim, wie hast du Menschen aus der DDR geschmuggelt?' knüpft der NDR ein weiteres Mal daran an, Geschichte nicht als staubiges Archiv, sondern als unmittelbare Erfahrung zu vermitteln. Mich beeindruckt besonders, wie hier generationenübergreifend vermittelt wird – Eva und Josef begegnen Achim neugierig und kritisch; die Gespräche nehmen an Fahrt auf, werden persönlich, teils auch lakonisch. Was bleibt? Die DDR, früher oft als graue Kulisse wahrgenommen, wird hörbar: Gefahr, Liebe, Musikverbote. Mehr noch – derzeit sind Erinnerungsprojekte wieder gefordert, weil viele Jugendliche kaum noch direkten Kontakt zu Zeitzeug:innen aus dieser Epoche haben. Der Podcast reiht sich ein in Versuche, Zeitgeschichte emotional greifbar zu machen, und setzt dabei nicht allein auf Fakten, sondern auf Atmosphäre, Geräusche und den Mut, auch Dinge zu zeigen, die unbequem sind. Ergänzende Informationen: In den letzten Tagen wurde in den Medien diskutiert, wie wichtig die persönliche Auseinandersetzung mit der Mauer und Fluchtgeschichten weiterhin ist – nicht nur zum Verständnis der Vergangenheit, sondern auch als Vorbild für Zivilcourage heute. Nach aktuellem Bericht der Süddeutschen Zeitung sind solche Podcasts gefragt, weil „Erinnerungskultur zum Greifen“ kommt (vgl. sueddeutsche.de). Und jüngste Debatten um Musikverbote und Jugendproteste in der DDR zeigen, dass der Staat bis „ins Private hineinregierte“ – ein Thema, das gerade jungen Leuten heute fremd scheint (vgl. spiegel.de). Mehrere Medien, darunter Zeit und DW, greifen Flucht- und Stasigeschichten verstärkt auf, weil 2026 an den 65. Jahrestag des Mauerbaus erinnert wird.

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