Fünf Jahre nach der Ahrflut: Schwächen im deutschen Hochwasserschutz bleiben bestehen

Hinweis: In einer vorangegangenen Mitteilung gab es einen Fehler zur Flächenentwicklung in Auen seit 2019. Korrekt ist laut Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung, dass zwischen 2019 und 2023 der Anteil versiegelter Flächen in überschwemmungsgefährdeten Auen um 2,75 km² anstieg – das war keine jährliche, sondern eine Gesamtzunahme. Die BUND-Recherche wurde entsprechend korrigiert.

heute 10:28 Uhr | 1 mal gelesen

Jetzt also fünf Jahre nach der verheerenden Flut im Ahrtal. Irgendwie ist es fast surreal: So oft wurde damals Besserung gelobt, Milliarden für den Schutz vor der nächsten Katastrophe angekündigt. Die neue Analyse des BUND zieht einen nüchternen Strich darunter: Deutschland bleibt beim Hochwasserschutz fahrig, geradezu fahrlässig– wenn man es in den Kontext der zunehmenden Wetterextreme stellt. Statt den Flüssen Raum zu geben, wie man es überall predigt, werden Überschwemmungsflächen weiter zugebaut. Zwei Drittel dieses natürlichen Rückhalte-Raums sind flächendeckend verschwunden (bspw. in NRW 39%, Rheinland-Pfalz 24%, Bayern 46%), schreibt der BUND. Mit der Klimaerwärmung – und wärmeren Meeren – kommen gewaltigere Regenmassen, häufiger und unberechenbarer, so warnen auch Ozeanografen vom GEOMAR Kiel. Interessanterweise fließen jährlich zwar rund 301 Millionen Euro in Deiche und technische Lösungen – aber nur sieben Millionen in wirksame ökologische Maßnahmen wie Deichrückverlegungen. Muss man sich mal vorstellen: Bei Lenzen konnte allein durch so eine Rückverlegung das Elbe-Hochwasser bis zu 50 cm gesenkt werden. Feuchtgebiete sind inzwischen zum Nischenphänomen geworden – was schon fast eine absurde Randnotiz ist. Denn nur noch auf weniger als drei Prozent der überflutungsfähigen Auen finden sich Feuchtwiesen. Landwirtschaft, Straßen, Gewerbe dominieren – je versiegelter der Boden, desto schlechter lässt sich Wasser speichern oder verzögern. Die wenigen Fortschritte durch ökologischen Hochwasserschutz werden durch neue Versiegelungen konterkariert. Klartext: Es braucht Mut zu echten Kurswechseln – Flächen entsiegeln, Auen renaturieren, weniger teure Technikmanöver. Der BUND mahnt: Der Hochwasserschutz der Zukunft ist ökologisch und nutzt den Flüssen, der Artenvielfalt, aber auch der lokalen Bevölkerung. Ob die Politik endlich umsteuert, bleibt offen – und ist, ehrlich gesagt, auch eine Frage gesellschaftlichen Drucks.

Die Situation rund um den Hochwasserschutz in Deutschland bleibt fünf Jahre nach der Ahrtal-Tragödie angespannt. Hauptkritikpunkte sind zu geringe Investitionen in naturnahen Schutz, anhaltende Flächenversiegelung und eine verfehlte Strategie beim Umgang mit den Folgen der Klimakrise. Neue Recherchen und Studien bestätigen: Technischer Hochwasserschutz stößt an seine Grenzen und ohne großflächige Renaturierungen steigt das Risiko weiter an. Die Auswirkungen des Klimawandels verschärfen das Problem zusehends, wie etwa höhere Meerestemperaturen und damit verbundene Extremniederschläge zeigen. In Politik und Bevölkerung herrscht zwar das Wissen, doch bislang fehlt der Mut für konsequentes Umdenken – trotz alarmierender Studien, Erfahrungen wie im Ahrtal und Beispielen wie Lenzen, die erfolgreiche Alternativen aufzeigen.

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