Schwere Zeiten für Kaufhäuser – Hoffnungsschimmer?
Die wiederholte Pleite von Galeria ist ein Déjà-vu und ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten – kaum hat sich der eine Schock gelegt, steht schon die nächste Insolvenz ins Haus. Trotzdem, so Werneke, breche das Vertrauen in das Modell Warenhaus noch nicht endgültig; er sieht durchaus Potenzial, vielleicht aus Gewohnheit, vielleicht aus Überzeugung.Schuldfrage: Wer verdient, wer leidet?
Mit spitzen Worten attackiert Werneke die früheren Eigentümer, die sich anscheinend auf Kosten der Arbeiter bereichern konnten. Während die Belegschaft immer wieder den Gürtel enger schnallen musste, versprachen Investoren goldene Zeiten und ließen dann doch die Taschen klingeln – nur eben die eigenen.Kaufhäuser als Dreh- und Angelpunkt vieler Städte
Mancher könnte meinen, Kaufhäuser seien Relikte vergangener Jahrzehnte. Doch Werneke verweist auf lebendige Beispiele: Galeries Lafayette, El Corte Inglés oder auch Breuninger zeigen, dass es gelingen kann, ein attraktives Einkaufserlebnis und Anziehungskraft zu schaffen – Menschen schätzen eben nicht nur das schnelle Online-Geschäft.Neue Regeln für den Marktplatz
Die Frage nach dem Handelspolitik ist wie ein Echo, das lauter wird. Billigplattformen wie Temu oder Shein überschwemmen den Markt mit Produkten, die allzu häufig weder sicher noch fair produziert werden. Werneke fordert daher Barrieren – und zwar nicht nur im Kopf, sondern auch an den Grenzen der EU.Der Zoll als Mittel gegen Online-Übermacht?
Es ist schon bemerkenswert: Täglich landen Millionen Pakete aus Asien zollfrei bei europäischen Konsumenten, während heimische Händler kämpfen. Gerade Dank der neuen EU-Zölle, für deren Einführung Verdi maßgeblich Lobbyarbeit leistete, sind die Geschäfte der Billigriesen nun um 40 Prozent eingebrochen – ein Hoffnungsschimmer?Hinter all dem steht die Angst, dass die Innenstädte nach und nach veröden – Leerstände, verlorene Arbeitsplätze, fehlende Besuchermagnete. Das Kaufhaus als „Anker“ mag altmodisch klingen, aber welcher Innenstadtbetreiber wünscht sich schon die mögliche Alternative: nur noch Friseure, Backshops und Nagelstudios? Die Struktur des Marktes wackelt. Es reicht nicht, vom Onlinehandel Zölle zu verlangen oder den Beschäftigten Hoffnung zu machen. Es braucht Mut, Geld und kreative Ideen, damit Kaufhäuser mehr als nur Verkaufsflächen sind – vielleicht Zentren für neue Stadt-Erlebnisse, zum Beispiel mit Kultur, Gastronomie und neuen Dienstleistungen? Auch hier bleibt vieles offen. Verdi sieht jedenfalls den Ball bei den Eigentümern – und hofft, dass diesmal jemand mehr investiert als nur gute Ratschläge.