Galeria am Abgrund: Verdi-Chef glaubt an die Zukunft der Warenhäuser

Frank Werneke, Vorsitzender der Gewerkschaft Verdi, hält Kaufhäuser wie Galeria trotz erneuter Insolvenz für überlebensfähig – wenn grundlegende Investitionen erfolgen. Er fordert Finanzspritzen für Sortiment, Flächen und faire Arbeitsbedingungen und warnt zugleich vor der Bedrohung durch billige Importwaren aus Fernost.

26.10.26 10:46 Uhr | 5 mal gelesen

Schwere Zeiten für Kaufhäuser – Hoffnungsschimmer?

Die wiederholte Pleite von Galeria ist ein Déjà-vu und ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten – kaum hat sich der eine Schock gelegt, steht schon die nächste Insolvenz ins Haus. Trotzdem, so Werneke, breche das Vertrauen in das Modell Warenhaus noch nicht endgültig; er sieht durchaus Potenzial, vielleicht aus Gewohnheit, vielleicht aus Überzeugung.

Schuldfrage: Wer verdient, wer leidet?

Mit spitzen Worten attackiert Werneke die früheren Eigentümer, die sich anscheinend auf Kosten der Arbeiter bereichern konnten. Während die Belegschaft immer wieder den Gürtel enger schnallen musste, versprachen Investoren goldene Zeiten und ließen dann doch die Taschen klingeln – nur eben die eigenen.

Kaufhäuser als Dreh- und Angelpunkt vieler Städte

Mancher könnte meinen, Kaufhäuser seien Relikte vergangener Jahrzehnte. Doch Werneke verweist auf lebendige Beispiele: Galeries Lafayette, El Corte Inglés oder auch Breuninger zeigen, dass es gelingen kann, ein attraktives Einkaufserlebnis und Anziehungskraft zu schaffen – Menschen schätzen eben nicht nur das schnelle Online-Geschäft.

Neue Regeln für den Marktplatz

Die Frage nach dem Handelspolitik ist wie ein Echo, das lauter wird. Billigplattformen wie Temu oder Shein überschwemmen den Markt mit Produkten, die allzu häufig weder sicher noch fair produziert werden. Werneke fordert daher Barrieren – und zwar nicht nur im Kopf, sondern auch an den Grenzen der EU.

Der Zoll als Mittel gegen Online-Übermacht?

Es ist schon bemerkenswert: Täglich landen Millionen Pakete aus Asien zollfrei bei europäischen Konsumenten, während heimische Händler kämpfen. Gerade Dank der neuen EU-Zölle, für deren Einführung Verdi maßgeblich Lobbyarbeit leistete, sind die Geschäfte der Billigriesen nun um 40 Prozent eingebrochen – ein Hoffnungsschimmer?

Hinter all dem steht die Angst, dass die Innenstädte nach und nach veröden – Leerstände, verlorene Arbeitsplätze, fehlende Besuchermagnete. Das Kaufhaus als „Anker“ mag altmodisch klingen, aber welcher Innenstadtbetreiber wünscht sich schon die mögliche Alternative: nur noch Friseure, Backshops und Nagelstudios? Die Struktur des Marktes wackelt. Es reicht nicht, vom Onlinehandel Zölle zu verlangen oder den Beschäftigten Hoffnung zu machen. Es braucht Mut, Geld und kreative Ideen, damit Kaufhäuser mehr als nur Verkaufsflächen sind – vielleicht Zentren für neue Stadt-Erlebnisse, zum Beispiel mit Kultur, Gastronomie und neuen Dienstleistungen? Auch hier bleibt vieles offen. Verdi sieht jedenfalls den Ball bei den Eigentümern – und hofft, dass diesmal jemand mehr investiert als nur gute Ratschläge.

Das Revival der Kaufhäuser bleibt ein Wagnis

Die wiederholte Krise von Galeria zeigt ein generelles Dilemma für klassische Warenhäuser: Angesichts steigender Konkurrenz durch Onlinehändler und veränderte Kaufgewohnheiten müssen sie sich grundlegend neu erfinden – falls überhaupt noch ein Weg aus der Talsohle möglich ist. Laut Werneke ist der Weg nur mit echten Investitionen in hochwertige Sortimente und faire Arbeitsbedingungen gangbar; eine Rückkehr zur alten Glorie ohne mutige Reformen hält er für ausgeschlossen.

Komplexe Gemengelage durch Onlinekonkurrenz und Billigimporte

Die EU schiebt nun endlich einen Riegel vor Massenimporten aus Fernost – doch ein paar zusätzliche Zollgebühren werden die Rettung von Galeria & Co. nicht erzwingen. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, attraktive Konzepte für Innenstädte zu entwickeln, die mehr bieten als reine Verkaufsflächen. Experten fordern verstärkt, Kaufhäuser zu Orten der Begegnung, des Erlebens und der Kultur zu machen – ein Weg, der Investitionen verlangt und nicht allein dem nächsten Investor überlassen werden kann.

Neue Recherchen und aktuelle Entwicklungen

Aktuelle Meldungen bestätigen: Die Insolvenzwelle im Einzelhandel hält auch anderswo an und wird von gesellschaftlichen Veränderungen weiter befeuert – Stichwort Digitalisierung und veränderte Einkaufsgewohnheiten. In einigen Städten werden Überlegungen zur Umnutzung großer Immobilien laufend diskutiert, etwa für soziale oder kulturelle Zwecke. Parallel signalisiert die anhaltende Debatte um Onlinezölle Pläne der EU, das „race to the bottom“ nicht länger kampflos hinzunehmen (siehe auch: Quelle: FAZ, Quelle: Spiegel, Quelle: Zeit).

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