Diesel-Pkw: Von Ladenhüter zu Risiko?
Der Gebrauchtwagenmarkt scheint gebrauchte Diesel zunehmend links liegen zu lassen. Im vergangenen September betrug die durchschnittliche Standzeit stolze 98 Tage. Da fragt man sich fast, ob so ein Diesel nicht eher zum Möbelstück als zum Fortbewegungsmittel taugt.
Vergleich der Standtage: Diesel hinten dran
Zum Vergleich: Noch im August warteten Verkäufer durchschnittlich 92 Tage auf einen Abschluss – und bei Benzinern und Elektroautos geht der Verkauf ohnehin flotter von der Hand (87 bzw. 72 Tage im September). Interessant ist, dass dieser Frustfaktor in Sachen Wartezeit fast nur in echten Krisenzeiten vergleichbar hoch war: Corona 2020 oder die "Dieselkrise" ab 2017 lassen grüßen.
Marktdruck und geopolitische Einflüsse
Ein Blick auf die Ursachen: Verwerfungen auf dem Kraftstoffmarkt, internationale Konflikte und – recht kurios – Dieselpreise, die meist sogar über dem Benzin liegen. Nach Angriffen auf iranische Ziele durch USA und Israel, aber auch aufgrund des russisch-ukrainischen Krieges, ist Diesel global knapper und teurer. Merkwürdiger Gedanke: Früher galt Diesel in Deutschland als die vernünftige Wahl für Sparfüchse. Im Moment, naja, eher nicht.
Sinkende Restwerte und neue Prioritäten
Das bleibt nicht ohne Folgen: Ein drei Jahre alter Diesel bringt aktuell im Schnitt nur noch 57,5% seines ursprünglichen Listenpreises. Im Vorjahr war es noch ein Stückchen mehr (61,5%). Andere Antriebe sind aber ebenfalls nicht immun, Benziner zum Beispiel verloren im selben Zeitraum von über 63% auf 59% Wert. Elektroautos dagegen legten als einzige Antriebsart bei den Restwerten sogar leicht zu – kein Wunder, dass hier viele Händler hellhörig werden.
Veränderte Spielregeln für Händler und Privatverkäufer
Die längeren Standzeiten machen aus Händlern unfreiwillig Lagerhalter und erhöhen den finanziellen Druck. Als Privatperson verkauft es sich entspannter, wenn alles dokumentiert und ehrlich angeboten wird – nicht jeder hat das Sitzfleisch, ewig auf einen Käufer zu warten. Dabei sollte man nicht vergessen: Durchschnittswerte sind eine Sache. Je nach Marke, Modell und Region kann sich das Spiel komplett anders anfühlen.
Restwert im Fokus: Neue Kalkulationen nötig
Klar ist: Käufer achten immer mehr auf Verbrauch, laufende Kosten und Wertverlust. Die gesunkenen Restwerte treiben Kfz-Betriebe, Leasinggesellschaften und Fuhrparks zu neuen Überlegungen. Wer zu spät kommt, den bestraft der Markt – oder zumindest die nächste Leasingrechnung.
Unsichere Zeiten für gebrauchte Diesel
Der Gebrauchtwagenmarkt dreht sich immer schneller weg vom Diesel – zumindest legen das die aktuellen Zahlen nahe. Dramatisch lange Standzeiten von fast 100 Tagen im September 2024, verstärkt durch internationale Krisen und Energiepreissprünge, setzen vor allem ältere Diesel unter Druck. Auffällig dabei: Während Benziner und vor allem Elektroautos ihre Position mit vergleichsweise kürzeren Standzeiten oder sogar leicht besseren Restwerten halten, bleibt bei Diesel-Pkw nur der Trost, dass einzelne Modelle mit Top-Wartung und begehrten Ausstattungen manchmal besser abschneiden.
Neueste Recherchen zeigen, dass Unsicherheit und Skepsis gegenüber der Zukunftstauglichkeit von Dieselfahrzeugen auch in Politik und Gesellschaft wachsen; insbesondere potenzielle Fahrverbote in Städten und der generelle Trend in Richtung Elektromobilität bremsen die Nachfrage weiter
Quelle: Die Zeit. Viele Händler stehen angesichts hoher Zinskosten und schwindender Margen unter Zugzwang; laut Experten geraten Diesel deshalb bei Auktionen zunehmend ins Hintertreffen oder werden gleich exportiert
Quelle: Der Spiegel. Gleichzeitig zeigt sich im aktuellen Trend, dass die Preisunterschiede zwischen den Antriebsarten sich vergrößern – was Käufer und Verkäufer in eine Zwickmühle bringt, bei der Unsicherheit über die Entwicklung von Infrastruktur und Kraftstoffpreisen mitspielt
Quelle: FAZ.