Gesichter der Qualzucht: Hundetrainerin Conny Sporrer wagt Selbstversuch gegen Tierleid

Wien – Niedliche Züge, schwere Folgen: Während das Internet über Hunde mit faltigen Gesichtern seufzt, steckt hinter den Klicks oft schleichendes Leid. TV-Hundetrainerin Conny Sporrer kontert diesen Trend nun auf bemerkenswerte Weise.

heute 09:42 Uhr | 2 mal gelesen

Ein bisschen schräg ist es schon: Da lässt sich Conny Sporrer, bekannt aus Hundetrainings und Podcasts, in Szene setzen – als „Leidensmodell“ für reinrassige Qualzuchtauswüchse. Nicht ein Mops oder eine Bulldogge steht im Fokus, sondern sie selbst. Die Schwarz-Weiß-Fotografien, jede Woche ab dem 13. März (Freitag), stammen von Christian Vieler, dem wohl bekanntesten Hundefotografen aus deutschen Landen. Zu sehen gibt's: Sporrer mit hängender Zunge, erstickter Mimik – sichtlich bemüht, die anatomischen Extreme nachzustellen, die Hunden das Leben zur Qual machen. Das klingt drastisch, aber Übertreibung liegt hier wohl im Auge des Betrachters. Der das wahre Ausmaß, so Sporrer, oft nicht (mehr) erkennt: Züchtung auf Niedlichkeit – völlig legitim, solange es süße Videos für den Social-Media-Feed sind. Doch was als „Herzchen-Garant“ kursiert (wie Schnauzenkürze, Kulleraugen, Quietschatmung), ist für viele Hunde ein Todesurteil auf Raten: chronische Atemnot, Schmerzen, neurologische Defizite. Man stelle sich vor, der eigene Körper könne gar nicht anders, als bei jedem Sonnenstrahl nach Luft zu japsen. "Dass wir genau das niedlich finden, ist irgendwie absurd!" bemerkt Sporrer – und trifft damit sicher einen Nerv. Rein rechtlich ist die Sache eigentlich klar: Tierqual durch Zucht auf bestimmte Merkmale ist verboten. Trotzdem boomt der Absatz solcher Rassen, als gäbe es kein Morgen. Sporrer bleibt pragmatisch: Wer bestehende Tiere aus dem Tierschutz adoptiert, tut etwas Gutes. Neue Qualzüchtungen aber weiter zu unterstützen? Kaum zu rechtfertigen, meint sie. Ihre Kampagne läuft auf Instagram – unter dem Hashtag #QualzuchtHatVieleGesichter und mit klarer Botschaft: "Wenn auch nur ein Hund dank dieser Aktion nicht gekauft wird, war die Aktion goldwert.”

Conny Sporrer wählt mit ihrer Selbstinszenierung eine irritierende, aber aufrüttelnde Methode, um auf das Leiden sogenannter Qualzuchthunde hinzuweisen. Wissenschaftlich betrachtet bestätigen mehrere Studien, dass brachyzephale Rassen (wie Möpse, Bulldoggen oder Pekinesen) mit zahlreichen schwerwiegenden gesundheitlichen Belastungen leben müssen: gestörte Thermoregulation, chronische Schmerzen und eingeschränkte Lebenserwartung sind keine Ausnahmen, sondern die Regel. Laut Deutschem Tierschutzbund und internationalen Tierschutzorganisationen ist das Problem europaweit bekannt, Versuche einer rechtlichen Vorgabe (etwa durch den Entwurf eines EU-weiten Qualzuchtverbots) verlaufen jedoch bislang zäh. In den letzten Tagen berichteten mehrere Medien, dass sowohl in Deutschland als auch in Nachbarländern Diskussionen um eine Verschärfung der Zuchtvorschriften häufiger in den Fokus rücken. Kampagnen wie Sporrers holen das Thema ins Bewusstsein der breiten Bevölkerung und machen auf die Kluft zwischen moralischen Ansprüchen und real gelebter Tierliebe aufmerksam. Auch die Frage, wie Social-Media-Trends Einfluss auf das Tierbild vieler junger Menschen nehmen, rückt dadurch wieder in die öffentliche Debatte.

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