Ein Netz aus Schmugglern, das zwischen Algerien und europäischen Küsten operierte, wurde nun ins Visier genommen – mehr als 70 Festnahmen sind das Resultat. Der Vorwurf: Drogen, Waffen und selbst Migranten wurden wie Handelsware über das westliche Mittelmeer verschoben. Wie Europol am Freitag verlauten ließ, konnten sowohl in Spanien als auch Algerien 78 Personen gefasst werden, unter ihnen einige, die als echte Drahtzieher galten, brandgefährlich für die Ermittlungsbehörden.
Die Polizei durchsuchte 17 Orte, darunter kann man sich nicht nur karge Wohnungen, sondern auch mysteriös anmutende Lagerhallen vorstellen – etwa in Alicante, Cartagena oder Murcia. Die Beute liest sich wie eine Mischung aus Abenteuerroman und Polizeibericht: 18 rasante Schnellboote (offiziell verboten in Spanien!), ein alter Revolver, eine nachgemachte Maschinenpistole, stapelweise Munition, gut 25.000 Euro Bargeld, Drogen in unhandlichen Mengen – von Ecstasy bis Haschisch – und teure Kommunikationsspielzeuge wie Satellitentelefone und GPS-Geräte.
Interessanterweise lief das alles wie ein Schmuggel-Startup: Das Netzwerk agierte im Prinzip wie ein flexibler Spediteur für die Unterwelt und bot seine Dienste anderen kriminellen Akteuren an – Transport, Lagerung, alles inklusive. Die Ermittler sind sich sicher, dass die Gruppe noch weitere finstere Aktionen auf dem Zettel hatte, darunter Schutzgelderpressung und Geldwäsche. Es bleibt also spannend, was die Auswertung der gesammelten Beweise ans Licht bringt.
Die Zerschlagung des Schmuggelnetzwerks ist das Ergebnis monatelanger, international koordinierter Ermittlungsarbeit zwischen spanischer Polizei, Europol und weiteren Sicherheitsbehörden. Insbesondere ist der Einsatz sogenannter 'Geisterboote' bemerkenswert, die – mit bis zu drei Motoren ausgestattet – speziell für den illegalen Grenzübertritt und Warentransport konstruiert wurden und regulär in Spanien verboten sind. Typisch für solche Gruppierungen ist das unternehmerische Modell: Sie agieren wie eine Schattenlogistik, bieten maßgeschneiderte Lösungen für andere kriminelle Vereinigungen und erschweren durch dieses losgelöste Dienstleistungsmodell Behörden gezielte Ermittlungen.
Inzwischen werden regelmäßig Schnellboot-Schleuserringe im Mittelmeer gesprengt: Laut aktuellen Medienberichten sind die Verbindungen nach Nordafrika besonders engmaschig und bestehen parallel zu traditionellen Handelspfaden. Auffällig ist die wachsende Bereitschaft solcher Banden, auf technisches Equipment wie GPS und Satellitenkommunikation zurückzugreifen, was die Überführung zunehmend erschwert. Die ersten Auswertungen der Polizei deuten auf eine hohe Professionalität und interne Arbeitsteilung hin, vom Schmuggel bis zur Wäsche der illegalen Gewinne.