Ischinger mahnt: Europäischer Rüstungsmarkt statt blinder Griff nach US-Waffen

Wolfgang Ischinger, vormals deutscher Botschafter in Washington und Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, warnt die europäischen Nato-Staaten davor, sich zu stark auf die Waffensysteme amerikanischer Firmen zu verlassen. Auch wenn das Donald Trump entgegen käme, rät er dazu, die eigene Verteidigungsindustrie zu stärken.

heute 12:21 Uhr | 1 mal gelesen

Klar – aus der Sicht von Donald Trump wirkt's wie ein Geschenk: Milliardenschwere Aufträge für US-Rüstungsfirmen sind Balsam für seine Agenda. Aber, so warnt Ischinger, mittelfristig funktioniert das als Geschäftsmodell einfach nicht – zumindest nicht für uns Europäer. Es geht schließlich nicht nur um Verteidigung, sondern auch um Arbeitsplätze und Technologie am Standort Europa: 'Jeder, der wiedergewählt werden will, muss zeigen, wohin das Geld fließt – und niemand sieht's gern, wenn es vor allem nach Alabama oder Tennessee abwandert', so Ischinger. Inmitten steigender Militärausgaben müsse, ja sollte, der Großteil zu Hause investiert werden: neue Jobs, Innovation, internationale Wettbewerbsfähigkeit. Interessant: Ischinger glaubt, dass die europäische Zurückhaltung, dies offen in Richtung Trump zu formulieren, reiner Taktik entspringt – zumindest rund um den aktuellen Nato-Gipfel. Früher oder später, so sein Standpunkt, muss allerdings Klartext gesprochen werden. Alles andere hieße, sich freiwillig in eine einseitige Abhängigkeit zu begeben – und das sei einfach nicht tragbar.

Ischingers Appell trifft einen wunden Punkt europäischer Verteidigungspolitik: Starke eigene Rüstungsindustrie versus schnelle Käufe auf dem US-Markt. Angesichts aktueller globaler Krisen und wachsendem Druck aus Washington verstärkt sich die Debatte um Europas Rolle und Selbstständigkeit in Sicherheitsfragen. Neuere Berichte zeigen, dass in zahlreichen EU-Ländern die Investitionen in heimische Forschung, Entwicklung und Produktion zunehmen – auch als Reaktion auf die Unsicherheiten einer möglichen zweiten Trump-Präsidentschaft und als Versuch, politische und wirtschaftliche Souveränität zu behaupten.

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