Die jüngste Forderung des Juso-Vorsitzenden Philipp Türmer zielt auf eine grundlegende Neuausrichtung der Steuerpolitik ab: Die Hälfte aller Einkommensbezieher soll komplett von der Einkommenssteuer befreit werden. Im Gegenzug möchte Türmer erhebliche Mehreinnahmen über die stärkere Besteuerung von großen Vermögen und Erbschaften erzielen. Neben der Umverteilung des Steueraufkommens sieht er einen weiteren Vorteil darin, dass die von Steuern befreiten unteren Einkommensgruppen ihr verfügbares Einkommen verstärkt konsumieren könnten und dadurch die Nachfrage in der Wirtschaft stabilisieren (was wiederum von Ökonomen durchaus unterstützt wird – allerdings bleibt strittig, wie realistisch und finanzierbar ein so massiver Strukturwandel wirklich wäre). Aktuelle Recherchen zeigen, dass die deutsche Steuerlandschaft ohnehin im Umbruch ist: Im Zusammenhang mit wachsender sozialer Ungleichheit und stagnierenden Reallöhnen werden Umverteilungsmechanismen wieder verstärkt diskutiert. Rasante Mietpreissteigerungen und die Inflation stellen gerade die unteren Einkommen vor Herausforderungen, während Vermögende von hohen Erträgen und Wertsteigerungen profitieren – eine Dynamik, die wirtschaftspolitisch nicht unterschätzt werden sollte. Im Bundestag schlagen sich Experten aktuell mit unterschiedlichen Vorschlägen für eine gerechtere Steuerverteilung herum, darunter Modelle mit gestuften Steuerfreibeträgen und neuen Steuersätzen für hohe Erbschaften.