Kaum jemand denkt an sie, doch sie stehen ganz am Anfang und Ende aller digitalen Wege: Router. Egal ob in der Ecke vom Wohnzimmer, versteckt in Kellern von Firmen oder zwischen den Wänden mächtiger Backbone-Netze – überall passiert Europas digitaler Alltag durch diese Geräte. Der Clou: Laut Studie surfen 93 % des europäischen Internetverkehrs inklusive privater und geschäftlicher Daten durch Router. Wie nebensächlich die Mobilfunk-Infrastruktur im Vergleich zum kabelgebundenen Netzwerk ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Nur etwa 7 % laufen übers Mobilfunknetz. Trotzdem scheint niemand so richtig hinsehen zu wollen, sagen die Autoren der Studie.
Das Dilemma: Gerade bei Routern ist Europa besonders abhängig von ausländischen – und konkret chinesischen – Herstellern. Firmen wie Huawei, ZTE und Co. besetzen laut den Forschern schon gut 37 % des Home-Router-Marktes und könnten theoretisch Zugriff auf Millionen Haushalte nehmen. Die Quote der ausländischen Lieferanten beträgt sogar über 50 %, wenn man alle Router und Repeater zusammenrechnet – mit erheblichen Folgerisiken für Sicherheit, Markttransparenz und Souveränität. Ein kompromittierter Router reicht dann sprichwörtlich, um das digitale Leben ganzer Familien oder Betriebe zu observieren.
Und da klafft die nächste Lücke. Obwohl man an manchen EU-Punkten, etwa beim 5G-Ausbau, chinesische Technik inzwischen kritisch prüft, ist der Router-Sektor so etwas wie ein blinder Fleck geblieben. Die Instrumente für gezielten Schutz – Lizenzmodelle, Risikoanalysen, Transparenzvorschriften – existieren auf dem Papier. Auf dem politischen Spielfeld wird das Thema aber immer wieder von lauteren Problemen verdrängt.
Clark Parsons (IE.F) bringt es auf den Punkt: „Die EU ist jetzt am Zug. Die Werkzeuge liegen bereit, nur nutzt sie niemand.“ Und Jan Oetjen (SAFENet) erinnert: „Sichere Netzwerke, sichere Zukunft – da darf man nicht zaudern.“
Interessant ist auch die Wahrnehmung in der Bevölkerung: Viele EU-Bürger vertrauen zwar europäischen Markenprodukten, wissen aber gar nicht, woher ihr Router stammt. Nach einer aktuellen Umfrage geben die meisten Nutzer an, bei Anbietern einzukaufen, deren Herkunft sie für europäisch halten – was oft gar nicht stimmt.
Neben Forderungen nach Transparenz und pragmatischer Politik hat SAFENet einen 4-Punkte-Plan entwickelt, wie Europa die Kontrolle zurückgewinnen könnte: nicht mit revolutionären Ideen, sondern indem man existierende Institutionen und Regulierungen endlich auf die Routerfrage anwendet.
Über die Allianz: Die Sovereignty Alliance for European Network Technology (SAFENet) verbindet führende europäische Anbieter mit dem Ziel, ein digitales, unabhängiges Europa zu sichern. Mehr: safe-net.tech
Studie und Pressekontakt: Die gesamte Studie ist online einsehbar. Kontakt: media@safe-net.tech, c.parsons@ie.foundation
Router sind das unterschätzte Rückgrat der europäischen digitalen Infrastruktur – und je nach Studie laufen bis zu 93 % aller Daten durch Geräte, von denen weit mehr als die Hälfte aus nicht-europäischer Produktion stammt. Laut der neu veröffentlichten Untersuchung besteht hier eine eklatante Abhängigkeit von asiatischen, insbesondere chinesischen Anbietern, was gravierende Sicherheits- und Souveränitätsrisiken birgt: Angreifer könnten ganze Netzwerke kompromittieren, wenn Router nicht europäischen Anforderungen entsprechen oder einseitigen Manipulationen ausgesetzt werden. Die Studie empfiehlt, vorhandene regulatorische Möglichkeiten konsequent auf Router auszuweiten, etwa Transparenzvorschriften über die Herkunft, bevorzugte öffentliche Aufträge für europäische Hersteller und – das belegen ergänzende Recherchen von Golem und Heise – einheitliche Mindeststandards sowie Förderungen für europäische Innovationen; mehrere europäische Medien fordern zudem mehr öffentliche Aufklärung über die oft undurchsichtige Lieferkette der Router, etwa durch verpflichtende Kennzeichnungen und bessere Informationspolitik.