Nur wenige Plätze in München atmen Geschichte und Grandezza wie der Odeonsplatz – und genau hier macht sich jeden Juli ein musikalischer Hauch von Weltstadt bemerkbar. Was für eine Vorstellung: Sir Simon Rattle stellt sich ans Pult des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, vor sich Pianist Kirill Gerstein, der noch das Jazz-Feeling in den Fingern hat. Gershwin unter freiem Himmel klingt nochmal anders, elektrisierender, als ob New York plötzlich zwischen Residenz und Theatinerkirche auftauchen würde. Die Auswahl? Natürlich darf „Porgy and Bess“ genauso wenig fehlen wie „An American in Paris“. Man kann diese Melodien nicht nur hören, sondern beinahe spüren.
Für alle, die kein Ticket ergattert haben, funktioniert Technik als Brücke: ARD Klassik und BR Klassik holen die Musik direkt ins Wohnzimmer oder auf die Terrasse. Von Live-Übertragung im Radio, zeitversetzten TV-Ausstrahlungen auf 3sat, bis zu Streams auf YouTube und in der Mediathek – klassisches Picknick mit digitaler Untermalung quasi.
Weiter im Programm: Am zweiten Abend übernimmt mit den Münchner Philharmonikern gleich ein weiteres Schwergewicht der Klassikwelt die Bühne. Die Leitung: Lahav Shani, ein junger Szenestar. Die Solistin: Janine Jansen mit Bruchs Violinkonzert, das mit jedem Ton anrührt. Wagner, schließlich Mendelssohns „Schottische“ – eine Melange aus Sehnsucht, Wind und Regen im musikalischen Gewand, gespielt, als röche die Luft fast nach Algen und Ruinen. Nach dem Konzert? Wer mag, klickt sich noch Tage später in die Übertragung – On-Demand macht’s möglich.
Eine Bemerkung am Rand: Bei allem musikalischen Glanz spielt dieses Festival auch mit der Kulisse – auch wenn die Feldherrnhalle vor lauter Renovierung manches Mal hinter Bauplanen verschwindet. Aber wen stört’s? Die Klänge tragen ohnehin über alle Distanzen hinweg.
Das Klassik-am-Odeonsplatz-Festival zählt Jahr für Jahr zu Münchens beliebtesten Open-Air-Highlights und bringt berühmte Orchester wie das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks oder die Münchner Philharmoniker auf eine von historischen Gebäuden umrahmte Bühne. Für das Festival 2026 stehen George Gershwin, Max Bruch, Felix Mendelssohn Bartholdy und Richard Wagner im Fokus – präsentiert von Spitzen-Dirigenten, mit hochkarätigen Solistinnen wie Janine Jansen, alles begleitet von Live-Streams, Radio- und TV-Übertragungen auf verschiedenen Kanälen. Laut aktuellen Berichten setzen Musikfestivals in Deutschland verstärkt auf hybride Konzepte mit digitalen Erweiterungen und Nachhaltigkeit, etwa Müllvermeidung und grüner Strom, was auch für große städtische Events wie den Odeonsplatz von wachsender Bedeutung ist. Die steigende Nachfrage nach klassischen Konzerten im digitalen Format bestätigt sich durch Rekordzugriffe auf Mediatheken und Streamingplattformen. Diskutiert wird zudem die Rolle der Festivals für kulturelle Begegnung und die Bedeutung öffentlicher Räume; aktuelle Meldungen unterstreichen, dass insbesondere Open-Air-Konzerte wieder an gesellschaftlicher Relevanz gewinnen, nachdem Pandemie-Beschränkungen weitgehend aufgehoben sind.