Krisen und Knauser: Friedensmissionen blicken in eine ungewisse Zukunft

Laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri geraten internationale Friedenseinsätze immer stärker ins Abseits. Die Zahl der eingesetzten Kräfte ist auf einem historischen Tiefstand.

heute 07:39 Uhr | 3 mal gelesen

Stellen Sie sich vor: In einer Welt, in der überall neue Konflikte lodern, nimmt ausgerechnet die Zahl der Friedenskräfte rapide ab. Schon jetzt – und die Entwicklung kennt derzeit nur eine Richtung: abwärts. Sipri meldet einen Rekord-Tiefpunkt – Ende 2025 waren laut Institut nur noch 78.633 Menschen weltweit im Einsatz für multilaterale Friedensmissionen. Ein ziemlicher Einbruch, wenn man bedenkt, dass es 2016 noch fast doppelt so viele waren. Worauf das alles hinausläuft? Jair van der Lijn, Chef des entsprechenden Sipri-Programms, äußert sich ziemlich besorgt: 'Wenn wir den Kurs nicht ändern, laufen die internationalen Bemühungen zur Konfliktbewältigung auf leisen Sohlen ins Nichts.' Keine UN-Blauhelme mehr, kaum noch Diplomatie im Einsatz – dabei sind gerade sie oft das letzte Pflaster für offene Wunden. Ohne internationale Begleitung könnten viele Konflikte weiter eskalieren und die Zivilbevölkerung gerät noch stärker zwischen die Fronten. Wenn man genauer hinschaut, zeigt sich: Ende 2025 gab es weltweit 58 Friedensmissionen, wobei allein Sub-Sahara-Afrika und Europa jeweils 18 davon beherbergen. Die meisten Einsatzkräfte sind in nur fünf großen Missionen gebunden – vier davon in Afrika. Bei den UN klafft zudem gerade ein riesiges Finanzloch: Zwei Milliarden Dollar fehlen, das sind weit über ein Drittel des gesamten Missionsbudgets. Und wenn es ums Bezahlen geht, drehen viele Staaten den Geldhahn einfach zu oder lassen die Rechnungen zu lange liegen. Es liegt also richtig was im Argen – und irgendwie erinnert die Lage an einen Kühlschrank, dessen Tür zu lange offen stand: Der gute Wille verfliegt, aber der Inhalt wird morsch.

Das Stockholmer Sipri-Institut schlägt Alarm: Die Zahl internationaler Einsatzkräfte in Friedensmissionen lag 2025 so niedrig wie zuletzt vor 25 Jahren. Ursachen sind verschärfte geopolitische Spannungen, politischer Druck auf multilaterale Institutionen und eine eklatante Finanzierungskrise insbesondere bei den UN-Missionen, deren Budgetlücke über ein Drittel beträgt. Quellen wie die Süddeutsche Zeitung und Der Spiegel berichten ähnlich kritisch und heben hervor, dass das Risiko wächst, dass immer mehr Friedensprozesse zusammenbrechen, weil internationale Zusammenarbeit und finanzielle Ressourcen schwinden. Zusätzliche aktuelle Details aus der Netzrecherche: Seit Beginn von Russlands Krieg gegen die Ukraine ist nicht nur das Interesse, sondern auch das Vertrauen in multilaterale Friedensmissionen in Teilen der Welt gesunken. Mehrere Länder – insbesondere Geberstaaten aus Nordamerika und Europa – priorisieren zunehmend Verteidigungs- und Grenzsicherungsausgaben. Wie der FAZ analysiert, wird das zu einem globalen Problem, da gleichzeitig an vielen Brennpunkten – etwa in Mali, dem Sudan oder Haiti – neue oder wiederaufflammende Gewaltwellen internationale Präsenz und Mediation eigentlich dringender denn je machen.

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