Krisenstimmung lenkt Kundenströme zu Aldi und Co.

Bereits wenige Wochen nach Ausbruch des Iran-Kriegs spüren deutsche Supermärkte die angespannten Zeiten – vor allem Discounter verzeichnen mehr Zulauf.

heute 12:03 Uhr | 3 mal gelesen

Vielleicht wundert es niemanden so richtig: Wenn sich irgendwo auf der Welt eine Krise zuspitzt, landen wir Deutschen schneller beim Discounter als uns lieb ist. Aktuelle Zahlen vom Analyseunternehmen Accurat (über die das Handelsblatt gestolpert ist) zeigen, dass bereits in der dritten Woche nach Beginn des Iran-Krieges Aldi Süd und Aldi Nord spürbar mehr Kunden begrüßen durften – genauer gesagt stieg der Anteil der Einkäufe bei Aldi Nord um 0,7 und bei Aldi Süd sogar um glatte 1,0 Prozentpunkte. Das klingt erst einmal nach Kleinkram, ist aber im gesamten Einzelhandelsvolumen, das in Deutschland locker über 200 Milliarden Euro pro Jahr liegt, ein verdammt großer Tropfen. Übersetzt heißt das: Ein Prozentpunkt mehr kann gleich mal Milliarden in die Kasse spülen. Interessant übrigens, dass diese plötzlichen Marktanteilverschiebungen laut Marktforscher Maarten Vander Beken ziemlich ungewöhnlich sind. Heißt im Umkehrschluss: Solche Zeiten, in denen jeder Euro zweimal umgedreht wird und Unsicherheit in der Luft hängt, schütteln eingefahrene Konsumstrukturen ordentlich durch. Am anderen Ende des Balancierseils? Die Platzhirsche unter den Supermarktketten – Edeka, Rewe, Kaufland. Die Zeiten, in denen sie unantastbar schienen, sind vorbei: Sie verlieren messbaren Boden, bei der Besuchsfrequenz, und das innerhalb weniger Tage. Zugegeben, die Veränderungen klingen nicht gigantisch, aber sie sind ein Indiz: In Stresszeiten funktioniert der (Lebensmittel-)Markt eben ein bisschen wie ein Ameisenstaat – alle rennen zum nächsten, am einfachsten erreichbaren Futterplatz.

Kurz nach Beginn des Iran-Kriegs hat sich das Einkaufsverhalten in Deutschland spürbar verschoben. Verbraucher wechseln vermehrt zu Discountern wie Aldi, was zum einen mit den steigenden Energiekosten und der Unsicherheit über Preise zusammenhängt, zum anderen aber auch zeigt, wie sensibel der Markt auf politische Krisen reagiert. Die aktuellen Marktforschungsdaten deuten darauf hin, dass schon kleinste prozentuale Veränderungen bei den Besucherzahlen eine enorme wirtschaftliche Strahlkraft haben – ein Beweis dafür, wie rasch sich große Volkswirtschaften in Krisenzeiten neu konfigurieren. In den letzten 48 Stunden berichten mehrere Medien über zunehmende Preissteigerungen bei Lebensmitteln, Lieferschwierigkeiten durch geopolitische Unsicherheiten und einen Trend zum Hamstern von Grundnahrungsmitteln. Hinzu kommt, dass auch andere Discounter wie Lidl und Penny vermehrt Zulauf erhalten, während Premium-Supermärkte stärker unter Druck geraten. Eine auffallende Feststellung: Die Loyalität der Kunden zu ihren Supermärkten scheint in unsicheren Zeiten brüchiger denn je.

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