Künast mahnt: Kein Richtungskampf nach Özdemir-Triumph

Nach dem bemerkenswerten Wahlerfolg von Cem Özdemir in Baden-Württemberg ruft Renate Künast die Grünen dazu auf, interne Grabenkämpfe zu vermeiden.

heute 14:59 Uhr | 3 mal gelesen

„Gerade jetzt wäre es fatal, den Özdemir-Erfolg zum Anlass für parteiinterne Grundsatzdiskussionen zu nehmen“, findet Renate Künast und hat sich damit im „Stern“ deutlich positioniert. Künast, die den eher linken Parteiflügel vertritt, sieht in Özdemirs Sieg einen Beleg dafür, dass politische Glaubwürdigkeit mehr ist als programmatische Bekenntnisse: Man müsse zeigen, dass grüne Politik die Lebensrealität abbilden könne – praktisch, nicht nur auf dem Papier. Die Frage, inwiefern man tatsächlich das Ganze im Blick hat, dürfe sich kein Grüner ersparen. Außerdem: Themen und Probleme sind eben nicht überall gleich – Politik nach Schablone funktioniert schlicht nicht. Sie fordert, den einzelnen Kandidat:innen mehr Freiräume zu lassen, um jeweils passende Angebote für ihre Regionen zu machen. „Davon, dass wir auf Sparflamme kochen, hat niemand was“, so Künast. Tja, und ob das in der Partei überall so gesehen wird? Da bleibt durchaus ein gewisser Zweifel – schließlich waren in der Vergangenheit Flügelkämpfe bei den Grünen nie wirklich weg.

Im Kern richtet Künast einen Appell an die grüne Partei, den Wahlerfolg Özdemirs nicht als Anlass für alte Richtungsdebatten zu sehen. Vielmehr betont sie, Politik müsse anpackend und lebensnah sein – nicht nur von der Bühne herab, sondern im Alltag der Menschen. In der aktuellen Medienlandschaft tauchen dazu Berichte über eine zunehmend fragmentierte Parteienlandschaft auf, in der pragmatische Persönlichkeiten wie Özdemir verstärkt gefragt sind. Außerdem lässt sich beobachten, dass der Erfolg in Baden-Württemberg bundespolitisch Wellen schlägt: Medien wie taz und ZEIT zeichnen das Bild einer Partei, die zwischen eigenen Idealen und politischem Alltagsgeschäft ausbalancieren muss. Frisch diskutieren viele, wie viel Spielraum einzelne Köpfe in einer insgesamt doch sehr programmorientierten Partei haben sollten.

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