Langzeitreserve für Strom: Bundesnetzagentur vergibt elf neue Reservekraftwerke

Elf neue Reserveanlagen sind von der Bundesnetzagentur nach der ersten großen Ausschreibungsrunde bewilligt worden. Nordrhein-Westfalen erhält dabei das größte Stück vom Kuchen. Die neuen Kraftwerke sollen ab 2031 immer dann ans Netz gehen, wenn Wind und Sonne Pause machen.

03.11.26 11:49 Uhr | 3 mal gelesen

Erster Schritt: Neue Reservekraftwerke für Deutschland

Kaum beachtet, doch durchaus gewichtig: Die Bundesnetzagentur hat erstmalig im Rahmen der Langzeitreserve Zuschläge an Kraftwerksbetreiber vergeben. Es sind elf Bewerber, die zum Zug gekommen sind und insgesamt mehr als 5.000 Megawatt (genauer: 5.160 rMW) bereitstellen sollen.

Ausschreibung fast dreifach überzeichnet

Eigentlich ging es „nur“ um 4.500 rMW, doch die Agentur erhielt Gebote, die dieses Ziel bei Weitem überschritten – immerhin standen rund 12.000 rMW zur Debatte, verteilt auf 41 Gebote. Sieben davon mussten aussortiert werden, weil die Papiere nicht vollständig waren oder Nachweise fehlten. Auch kurios: Das Angebot, das die Grenze erstmals knackte, ergatterte trotzdem noch den Zuschlag – manchmal läuft’s wie beim Altbaukauf, wenn plötzlich die Tür in den Garten dann doch noch offen ist.

Vor allem NRW! – Die Gewinnerländer

Schaut man auf die Landkarte der Zuschläge, fällt auf: Nordrhein-Westfalen liegt mit über 2.000 rMW ganz vorne. Drei Zuschläge treffen dieses Kraftwerksland. Es folgen Brandenburg (vier Zuschläge, rund 1.800 rMW), Sachsen (zwei), dazu Bayern und Baden-Württemberg mit jeweils einem Zuschlag. So ein bisschen fühlt sich das nach politischem Ausgleich an – aber vielleicht ist das einfach die Realität der Infrastruktur.

Unter dem Preisdeckel geblieben

Die beauftragten Unternehmen erhalten pro rMW und Jahr 155.296 Euro, im Schnitt. Das ist spürbar unter dem Höchstpreis (244.000 Euro) – und wie immer gibt es Stimmen, die meinen: Der Wettbewerb drückt die Kosten. Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller spricht jedenfalls genau darüber. Ich frage mich manchmal, wie viel davon Marketing und wie viel reale Kostenkontrolle ist.

Ab 2031 im Hintergrund – die Reserve greift erst bei Flaute

Die Bundesnetzagentur sieht die Maßnahme als Startschuss für verlässliche Stromversorgung, wenn Ökostrom mal schlappmacht. Also: nicht als tägliche Stromlieferanten, sondern als eiserne Reserve für Engpässe. Denn genau das unterscheidet die Reservisten vom normalen Strommarkt. Die Kosten dafür landen – wenig überraschend – über die Stromrechnung beim Verbraucher. Keine Wunderwerke, sondern schlicht Prognose- und Sicherheitstechnik für die Zeit, in der es mal wieder 'zappenduster' werden könnte.

Regionale Balance und technische Durchmischung: Was kommt noch?

Klar, der Fokus liegt auf NRW und Brandenburg – genau dort, wo alte Kapazitäten wegbrechen. Doch entscheidend: Reservekraftwerke sind keine grüne Stromerzeugung! Sie kompensieren Engpässe, ersetzen aber weder einen klugen Netzausbau noch wirklich flexible Nachfrage. Ich bin gespannt, wie sich künftige Ausschreibungen entwickeln – auch mit Blick auf die beteiligten Technologien und das tatsächliche Einhalten aller Bau- und Zeitpläne.

Eckpunkte der bundesweiten Reservestrategie

Die jüngste Ausschreibungsrunde markiert einen Meilenstein für die deutsche Energielandschaft: Erstmals wurden gezielt neue Kraftwerkskapazitäten für Engpasszeiten gesichert, wobei die meisten Zuschläge für Nordrhein-Westfalen und Brandenburg vergeben wurden. Diese Reserveanlagen sind ab 2031 als Sicherheitsnetz gedacht, falls Strom aus erneuerbaren Quellen nicht reicht. Der durchschnittliche Zuschlagswert bleibt mit rund 155.000 Euro pro Megawatt und Jahr deutlich unter dem möglichen Höchstpreis.

Markt, Wettbewerb und Verbraucherinteresse

Ein starker Wettbewerb hat die Kosten gedrückt; Kraftwerke und Speicherlösungen konkurrierten erstmals direkt miteinander. Zwar sorgt die Reserve für stabile Netze, senkt aber nicht automatisch die Strompreise – letztlich werden die Kosten über Umlagen verteilt. Vieles bleibt offen: Welche Technologie wird das Rennen in den kommenden Ausschreibungsrunden machen, und wie zuverlässig werden die Projekte termingerecht gebaut?

Aktuelle Entwicklungen und breitere Perspektiven

In den tagesaktuellen Medien spiegeln sich mehrere Fragen wider: So thematisiert die taz die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern trotz Energiewende und kritisiert die Finanzierung über Stromkunden. Zeit Online hebt hervor, dass die Reservekraftwerke nötig sind, solange das Stromnetz nicht vollständig erneuerbar abgesichert werden kann. Die Süddeutsche betont den Spagat zwischen Versorgungssicherheit und Klimazielen und stellt die Planungssicherheit für Investoren sowie die Geschwindigkeit im Ausbau stromspeichernder Anlagen in den Vordergrund. Ergänzend dazu wird diskutiert, wie politische und regulatorische Rahmenbedingungen beschleunigt und Planungsprozesse vereinfacht werden können, um die klimafreundliche Reserve zeitnah zu realisieren.

Schlagwort aus diesem Artikel