Ludwig Dorffmeister vom Ifo sieht darin aber keinen Grund zur Freude. Im Gegenteil – viele Aufträge dümpeln vor sich hin, frische Neuaufträge sind rar gesät. Kurioserweise sollte das Sondervermögen für Infrastruktur & Klimaschutz eigentlich neue Impulse setzen, aber in Sachen Priorisierung schaut der Straßenbau meist in die Röhre: Bei Bund und Gemeinden ringen vielerorts knappe Haushalte und andere Projekte um das Geld. Zusätzlich nagt eine satte Preissteigerung: In fünf Jahren haben sich Straßenbauleistungen fast um die Hälfte verteuert. Und das spüren die Betriebe nochmals deutlich; sie berichten im zweiten Quartal wieder vermehrt von steigenden Preisen.
Blick auf die Auftragslage im Juni: 38,7 Prozent der Straßenbauer klagen über Mangelware im Auftragsbuch – ein Sprung gegenüber dem langfristigen Schnitt (26 Prozent). Materialengpässe spielen dagegen diesmal kaum noch eine Rolle. Bleibt die Hoffnung, dass nach der Durststrecke tatsächlich besseres Wetter aufzieht… Oder bleibt alles beim Alten?
Das Stimmungsbarometer im deutschen Straßenbau hat sich im Juni leicht erholt, bleibt jedoch weiterhin tief im negativen Bereich. Laut Ifo-Institut sind die Auftragsbestände zwar überdurchschnittlich hoch, doch das täuscht nicht darüber hinweg, dass neue Aufträge Mangelware sind und viele Projekte kaum vorankommen. Die Branche kämpft neben knappen öffentlichen Haushalten auch mit massiven Kostensteigerungen, während das Sondervermögen nicht den erhofften Schub bringt.
Aktuelle Recherchen zeigen, dass die schleichenden Investitionszurückhaltung vieler Kommunen durch die hohen Baukosten und die Priorisierung anderer Infrastrukturprojekte weiter ausgebremst wird. Auf taz.de wird berichtet, dass Fachkräftemangel und langwierige Genehmigungsverfahren den Fortschritt im Hoch- und Straßenbau zusätzlich hemmen. Die Zeit (www.zeit.de) beobachtet, dass der Sanierungsstau auf deutschen Straßen sich weiter verschärft und das Infrastrukturdefizit angesichts steigender Klimaschutzanforderungen ein wachsendes Problem bleibt. Auf spiegel.de ist zu lesen, dass die Bundesregierung in ihrem aktuellen Haushaltsentwurf die Mittel für verschiedene Verkehrsvorhaben kürzen musste und Förderprogramme für Brückensanierungen auf Eis liegen. Insgesamt zeichnet sich ab, dass der Straßenbau auf eine lang anhaltende Phase der Unsicherheiten und Umbrüche zusteuert.