Ständiger Spardruck – kein Ende in Sicht
Tja, Lufthansa – man könnte meinen, irgendwann ist genug gespart. Aber Carsten Spohr bleibt dabei: Die Gürtel werden weiter enger geschnallt. Selbst nach Untersuchungen auf Dutzenden europäischer Strecken, wo man testete, wie viel Schmutz und Unordnung den Fluggästen noch zumutbar ist, hält der Konzernchef streng am Sparkurs fest. So weit, so konsequent, wobei: Kleine Optimierungen gab's dann doch, um nicht sämtliche Maßstäbe über Bord zu werfen.Im Visier: Mehr Leistung aus weniger Mitteln
Spohr hat im Interview mit dem „Spiegel“ klargemacht, dass Effizienzsteigerungen für die Lufthansa unverzichtbar sind – lustigerweise selbst, wenn gerade mal zehn Euro Gewinn pro Passagier hängen bleiben. Die Zeichen stehen auf: Immer schneller, immer günstiger, auch wenn dabei ab und zu Kritik an Service, Sauberkeit oder Pünktlichkeit aufkommt. Das Unternehmen hat jedenfalls sein Reinigungsexperiment in der Economy nicht ganz unbemerkt über sich ergehen lassen und – so sagt man – an ein paar Stellen nachgebessert.Das Aus für innereuropäische Gemütlichkeit?
Wenn im eigenen Land die Flüge schwächeln, wird es interessant: Der innerdeutsche Luftverkehr gilt laut Spohr als kaum mehr rentabel, ein echtes Zukunftsmodell sieht er darin nicht. Manche Städte – denken wir etwa an Paderborn oder Friedrichshafen – haben schon das Nachsehen; die internationale Welt trennt sich langsam von diesen Regionen. Ziemlich bitter, bedenkt man, wie exportfixiert Deutschland ist. Die Lufthansa – Heimat nur noch Nebenschauplatz
Zahlen sprechen manchmal klare Worte: Deutschland spielt für die Kranich-Airline finanziell längst nicht mehr die Hauptrolle, gerade mal 20 Prozent des Umsatzes kommen noch aus der Heimat. Ob Flotte, Routen oder Sparpläne – die großen Entscheidungen fallen zunehmend mit Blick auf den Weltmarkt. Und wenn Konkurrenz aus Paris oder anderswo zuschlägt, kann ein Anruf des Bundeskanzlers in den richtigen Ohren durchaus den Ausschlag geben – wie jüngst beim Bieterwettstreit um Portugals TAP.Dresscode mit Signalwirkung
Ein fast kurioses Detail am Rande: Spohr mag seinen Anzug. Warum? Einfach, weil Airline-Mitarbeiter wie Piloten und Flugbegleiter auch nachts um drei schnieke in Uniform dastehen. Da kann (oder mag) der Boss sich keinen Schlendrian erlauben – verständlich irgendwie, vielleicht aber auch ein bisschen Old School.Zwischen Bilanzdruck und Servicequalität
Man spürt den Spagat: Lufthansa und ihre Passagiere ringen um das rechte Maß zwischen vernünftiger Effizienz und anständigem Service. Das Experiment mit der Reinigung in der Economy war da vielleicht kein Ruhmesblatt, aber es zeigt eben, wie zäh der Kampf um Kosten und Qualität geführt wird. Für Standorte am Rand – und deren Arbeitnehmer – hängen von diesen Entscheidungen viel größere Fragen ab: Bleibt die Welt erreichbar, oder müssen sie sich bald wieder mit der guten alten Bahn anfreunden?Deutsche Politik am langen Hebel?
Spannend schließlich, dass strategische Manöver wie der Einstieg bei TAP ohne gelegentliche Rückendeckung aus Berlin kaum zu stemmen wären. Offenbar steht hinter dem globalen Glanz der Lufthansa immer auch ein Netz aus diplomatischen Beziehungen und politischem Kalkül. Für die meisten Passagiere bleibt am Ende wohl nur die Hoffnung, dass beim nächsten Mal Sitztasche und Boden sauber sind – und der Anschlussflug nicht wieder ausfällt.
Effizienzdruck und internationale Ausrichtung
Lufthansa setzt unter Spohr konsequent auf sparsamen Betrieb, was zu kontinuierlichen Anpassungen und Tests – zuletzt bei der Kabinenreinigung – führt. Die deutliche Abkehr vom Fokus auf den deutschen Markt, inzwischen nur noch für ein Fünftel des Umsatzes verantwortlich, verdeutlicht den globalen Konkurrenzdruck, zumal innerdeutsche Verbindungen wirtschaftlich kaum tragbar erscheinen. Politische Unterstützung bleibt unerlässlich, wie die TAP-Übernahme zeigt; allerdings geht dieser Kurs mit Unsicherheit für Arbeitnehmer und regionale Standorte einher.
Recherchierte Ergänzungen (Stand: 05.06.2024)
Laut taz kritisieren Gewerkschaften bei Lufthansa die Arbeitsbedingungen – insbesondere nach Sparmaßnahmen – und fordern mehr Mitsprache bei Personalfragen, zudem wachsen Sorgen um Sozialabbau und die Qualität des Bordprodukts (
Quelle: taz). Auf Zeit.de beschäftigt sich ein Leitartikel kritisch mit der Zukunft des europäischen Luftverkehrs und macht auf die Notwendigkeit klimafreundlicher Alternativen zur Kurzstrecke aufmerksam – Lufthansa stehe hier besonders unter Druck, da die Politik mehr Nightjets (Liegewagenzüge) und weniger Inlandsflüge will (
Quelle: Zeit). Laut FAZ drohen durch europäische Konkurrenz, steigende Kosten und die Unsicherheiten im internationalen Luftverkehr weitere Umstrukturierungen im Lufthansa-Konzern; gleichzeitig wachsen die Erwartungen an Service und Zuverlässigkeit, was Kostensenkungen und Qualitätsanspruch in ein schwieriges Gleichgewicht bringt (
Quelle: FAZ).