Strompreise: Hoffnung auf Entspannung wird zur Geduldsprobe – Ein Ausblick bis 2030

Trotz aller Diskussionen ums Stromsystem zeigt ein nüchterner Blick auf die aktuellen Preissignale: Erst am Ende des Jahrzehnts könnte das Niveau vor der Gaskrise wieder erreichbar sein. Die Politik sucht unterdessen verzweifelt nach Wegen, Verbraucher und Industrie kurzfristig zu entlasten. Ob das reicht?

26.10.26 18:59 Uhr | 14 mal gelesen

Gas dominiert weiterhin die Strompreise

Kaum zu glauben, aber der Strompreis verharrt in schwindelerregender Höhe. Eine Megawattstunde am Terminmarkt, die im nächsten Jahr geliefert wird, kostet mehr als 150 Euro – fast zweimal so viel wie noch Anfang des Jahres.

Wann kehrt Normalität zurück?

Erst nachdem ich die Analyse des Energieökonomen Hanns Koenig von Aurora Energy Research gelesen habe, wurde mir die Geduldsspanne klar: Eine Rückkehr zum 'Normalpreis' – also etwa 75 bis 80 Euro je Megawattstunde – wird wohl bis 2029 oder gar 2030 dauern. Das Leitbild für den Preis bildet meist das teuerste Kraftwerk, das für die Nachfrage gerade noch nötig ist; und das sind irrsinnigerweise immer noch oft Gaskraftwerke.

Merit-Order – und ihre Tücken

Selbst mit einem erneuerbaren Anteil von imposanten 90 Prozent herrscht das Gas etwa in der Hälfte aller Stunden: Denn die sogenannte Merit-Order, so etwas wie der Preismechanismus des Strommarkts, lässt das teuerste noch gefragte Kraftwerk den Preis machen. Der Gedanke, komplett frei von Gas zu sein, wirkt daher ein wenig wie eine Fata Morgana.

Politischer Streit ums Wie

Die Parteien bieten ihre alten Rezepte feil: SPD und Grüne propagieren einen Turbo beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Nina Scheer (SPD) verlangt: Fossile Kraftwerke sollten möglichst nur im Ausnahmefall genutzt werden. Ihr grüner Kollege Michael Kellner hält dagegen, dass weder die Stromsteuer gesenkt noch die Hilfen bei den Netzentgelten ausreichend seien – den energieintensiven Industrien bleibe ein kräftiger Kostenschub.

Wer zahlt was – und wie lange noch?

Unterm Strich: Die Preise am Strommarkt treffen uns auf mehreren Wegen. Haushalte zahlen nicht nur für Strom selbst, sondern für Netze, Steuern, Umlagen und den Vertrieb. Firmen, die viel Strom verbrauchen, ächzen besonders unter den Großhandelspreisen – hier drohen durchs hohe Energieniveau echte Wettbewerbsnachteile.

Gas bleibt Dreh- und Angelpunkt

Koenig betont: Ohne eine Renaissance billigen Gases und massive Investitionen in Speicher oder flexible Netze bleibt eine rasche Entspannung aus. Sinkende Erzeugerkosten schlagen, wenn überhaupt, nur verzögert auf private Tarife durch. Politiker ringen also darum, durch Steuererleichterungen und andere Eingriffe zumindest kurzfristig die Kosten zu dämpfen – ob das den strukturellen Wandel bloß vertagt, bleibt dabei offen.

Presseschau: Alte Probleme, neue Argumente

n-tv: Die Nachrichten drehen sich um international getriebene Gaspreise, insbesondere aufgrund geopolitischer Spannungen oder plötzlicher Kälteeinbrüche. Deutschlandfunk: Schaut mehr auf den politischen Streit rund um Stromsteuer und Entlastungen, die zwischen Union und SPD zur Machtprobe werden. Letztlich sind sich alle einig: Der Preisdruck lastet schwer, doch über die Lösungen herrscht weniger Einigkeit, als man sich wünschen könnte.

Kurze Einordnung

Der Strompreis in Deutschland bleibt trotz aller Bemühungen hoch und ist eng mit den Kosten für Gas verbunden. Energieökonomen wie Hanns Koenig prognostizieren, dass eine Rückkehr zu moderaten Preisen vermutlich erst mit einer Entspannung am Gasmarkt und einem massiven Ausbau von Speichern und Netzen Ende dieses Jahrzehnts realistisch erscheint.

Neue Entwicklungen

Nach aktuellen Meldungen wächst der politische Druck, auch wegen neuer Industriewarnungen, die befürchten, dass Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit unter dem Kostenschub leidet. Während der Deutsche Industrie- und Handelskammertag einen beschleunigten Ausbau von Wind und Solar fordert, arbeitet die Politik an Nothilfen und diskutiert erneut über das Modell einer Strompreisbremse. In den Medien zeigt sich, dass die Debatten immer emotionaler werden – die Süddeutsche Zeitung berichtet etwa über den Aufschrei kleiner Unternehmen, die kaum noch Profite machen, während der Spiegel das Dilemma der Regierung schildert, kurzfristig zu helfen, aber langfristig nicht wieder in eine Preisfalle zu tappen.

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