Da stand er also auf dem windigen Pier von Ile Longue, eingerahmt vom Nebel des Ärmelkanals und dem drohenden Puls der Geschichte. Macron, nicht um markige Worte verlegen, ließ keinen Zweifel mehr an seinen Sorgen: Europa sehe sich einer Zeit gegenüber, in der alte Gewissheiten bröckeln. Er mahnte, Frankreich müsse seine Nuklearstrategie neu justieren, die eigene Souveränität bewahren und den Schulterschluss mit europäischen Partnern suchen. Während in der Ukraine der Krieg wütet, rücke eine nukleare Bedrohung durch Russland und das Wettrüsten Chinas immer näher an den Kontinent. Diese Umwälzungen, so Macron, machten einen stärkeren Fokus auf Abschreckung unausweichlich – allerdings ohne starre Zahlen: Frankreichs Arsenal wachse, doch Details bleiben geheim. Man spürt in seinen Worten auch einen Hauch Ratlosigkeit, vielleicht sogar die Überlegung, ob Abschreckung heute noch dieselbe Wirkung entfaltet wie einst im Kalten Krieg.
Macrons Wille, Frankreichs atomare Präsenz auszubauen, steht im Zeichen wachsender geopolitischer Spannungen: Das russische Säbelrasseln, Chinas militärischer Ehrgeiz und der Angriffskrieg in der Ukraine lassen die französische Regierung ihre Nuklearstrategie tiefgreifend überdenken. Der Präsident spricht von erhöhter Eskalationsgefahr und pocht auf ein „zukunftsfestes“ Abschreckungskonzept, das keine präzisen Zahlen mehr liefert – ein klarer Bruch mit früherer Transparenz. Zuletzt wird in Frankreich, aber auch in NATO-Kreisen debattiert, ob und wie europäische Atomwaffen eine größere Rolle spielen sollen, gerade weil das Vertrauen in den amerikanischen Nuklearschirm schrumpft.