Wer hat behauptet, über den Tod könne man nicht lachen? In Bad Wildungen läuft in diesem Sommer ein Ausstellungsprojekt, das mit genau diesem Tabu spielt. "Man stirbt nur einmal" – der Titel ist Programm. Gemeinsam mit der Galerie Komische Meister Dresden haben das Deutsche Institut für Bestattungskultur und die Städtischen Museen Bad Wildungen 80 scharfzüngige Karikaturen und pointierte Cartoons zusammengetragen, die das Sterben mal sarkastisch, mal poetisch, manchmal bitter und manchmal regelrecht absurd beleuchten. Gezeigt wird das Ganze ab 12. Juni (Vernissage 11. Juni, abends im 2. Obergeschoss der Wandelhalle), und das Beste: Eintritt kostet nichts.
Das könnte anstößig wirken, aber der Ansatz ist denkbar empathisch. Die Cartoons nehmen Abschied, Trauer und Friedhofskultur aufs Korn, ohne ins Banale abzugleiten. Oft schleicht sich dabei der Sensenmann selbst ins Bild – einerseits die gefürchtete Gestalt, andererseits als fast schon kumpelhafter Begleiter durch den letzten Lebensabschnitt. Fakt ist: Humor kann Gesprächsbarrieren einreißen und Berührungsängsten die Schwere nehmen. DIB-Geschäftsführerin Andrea Belegante ist überzeugt: "Humor nimmt dem Tod nicht die Würde, sondern macht ihn in der Gesellschaft wieder besprechbar."
Zur Ausstellung gibt es Zusatzveranstaltungen mit dem Hospizverein Bad Wildungen: Dr. Erhard Hain, Palliativmediziner, spricht an zwei Terminen. Parallel werden Thementische und Beratungen zur Bestattungsvorsorge angeboten – alles ohne Voranmeldung. Die ganze Schau bietet einen seltenen Blick darauf, wie man einen eigentlich düsteren Stoff mit Klugheit und Herz leichter verdaulich macht. Persönlich bleibt bei mir immer ein kurzer Zweifel: Lässt sich die Schwere der Endlichkeit wirklich mit einem Augenzwinkern fassen? Oder braucht es manchmal diesen befreienden Freiraum, um überhaupt sprechen zu können? Manche Fragen beantwortet nur die eigene Erfahrung oder – eine überraschende Karikatur.
Die Ausstellung "Man stirbt nur einmal" lotet aus, wie schwarzer Humor rund ums Sterben gesellschaftliche Tabus hinterfragen kann. 80 Cartoonist:innen bieten eine humorvolle, aber auch kluge Auseinandersetzung mit Tod, Abschied und Bestattungskultur; ergänzt wird dies durch Vorträge und Gesprächsangebote. Sie eröffnet am 11. Juni und läuft bis 23. August 2026, ein Projekt, das dem schwierigen Thema Tod Leichtigkeit, ohne Respektlosigkeit, verleiht.
Erweiterte Details: Humor im Umgang mit Tod ist ein wachsendes Thema – laut einer aktuellen Analyse im "Spiegel" werden alternative Trauerformen und offene Gespräche über das Lebensende gesellschaftlich immer stärker akzeptiert. Auch auf "Zeit Online" wurde kürzlich diskutiert, wie neue Rituale und ein entspannter Umgang mit Sterben den öffentlichen Diskurs bereichern. In "Süddeutsche Zeitung" und auf taz.de suchen Künstler verstärkt nach Wegen, Tod zwischen Traurigkeit, Neugierde und Witz im Alltag sichtbarer zu machen; humorvolle Ansätze sorgen dort für erleichternde Gespräche, gerade in belastenden Zeiten.