Merkels Gelassenheit vor ihrem Kanzleramt-Porträt: "Da häng ich dann eben"

Angela Merkel hat sich Jahre nach ihrem Abschied aus der Politik für ein Porträt in der Ahnengalerie des Kanzleramts ablichten lassen – auch wenn ihr die Vorstellung sichtlich fremd ist.

heute 14:36 Uhr | 1 mal gelesen

Dass Angela Merkel irgendwann als Gemälde an der Wand des Kanzleramts hängen würde, darüber wurde bereits gemunkelt. Nun ist es tatsächlich so weit: Ein eher noch unbekannter, gerade mal 28-jähriger Künstler namens Jérémy Queyras durfte die frühere Kanzlerin porträtieren. Seit vergangenem Sommer zog es die Ex-Kanzlerin immer wieder ins eigens eingerichtete Künstleratelier in Berlin, wo sie – nach eigenem Bekunden – sogar für mehrere Sitzungen Modell saß. Offenbar war das kein kurzer Akt, sondern ein längerer gemeinsamer Prozess, zwischen Pinsel, Kaffeeduft und sicherlich auch einigen nachdenklichen Gesprächen. Was bemerkenswert ist: Queyras ist nicht nur Maler. Der gebürtige Freiburger, Kunststudent in London und Paris, interessiert sich obendrein für das Wechselspiel von künstlicher Intelligenz und Kunst. Nicht auszuschließen, dass dieses Spannungsfeld auch im Porträt einen kreativen Widerhall findet, wenngleich das natürlich Spekulation bleibt. Witzigerweise hatte Merkel die ganze Zeit tapfer geschwiegen, wenn es um das Bild ging. Erst jetzt, der "Zeit" gegenüber, ließ sie sich entlocken, wie ungewöhnlich es sich anfühle, langsam Teil der Geschichte zu werden – und konterte ihre Skepsis trocken mit: "Da häng ich dann eben." Vielleicht ist das ihre Art, mit dem ganz eigenen Pathos der Macht umzugehen: Mit einer Schulterzuck-Gelassenheit, die selten geworden ist. Wer weiß.

Angela Merkel wird künftig durch ein Porträt des jungen Künstlers Jérémy Queyras in der Ahnengalerie des Kanzleramts verewigt, was nach monatelangen Sitzungen und der Zusammenarbeit in Berlin in die Tat umgesetzt wurde. Auffallend ist, dass Merkel bis zuletzt kaum etwas zum Entstehungsprozess preisgab und erst vor Kurzem lakonisch kommentierte, dass es sich seltsam anfühle, im Portrait-Modus Teil der (politischen) Geschichte zu werden. Ergänzend sei erwähnt, dass Porträts früherer Regierungschefs in der Galerie fast schon eine kleine Staatsaktion sind – jedes Kunstwerk spiegelt einerseits den Zeitgeist, andererseits den Charakter seines Motivs wider. Aktuell berichten zahlreiche Medien über die Ausstellungseröffnung im Bode-Museum und über Queyras' Herangehensweise, die traditionelles Porträt und moderne Kunstreflexion vereint. Das Interesse an Merkels Darstellung ist hoch – dies mag auch daran liegen, dass die frühere Kanzlerin in den letzten Jahren auffällig selten im öffentlichen Rampenlicht stand. Das Porträt steht also nicht nur für ihr politisches Vermächtnis, sondern auch für einen wandelnden Zeitgeist in der deutschen Erinnerungskultur.

Schlagwort aus diesem Artikel