Massive Kosten durch Nitrat – Schleichendes Risiko
Fast schon beiläufig läuft vieles unter dem Radar, während Nitrat im Trinkwasser im Hintergrund für enorme gesundheitliche Kosten sorgt. Die Schätzungen des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft summieren allein die Aufwendungen zur Behandlung von Darmkrebs, der auf erhöhten Nitratwerten basieren könnte, auf rund 75 Millionen Euro jährlich.
Gesellschaft zahlt für verlorene Lebensqualität
Doch damit nicht genug. Wenn man die verlorenen gesunden Lebensjahre und weitere indirekte Folgen hinzurechnet, wächst der Betrag laut Greenpeace-Auswertung auf rund 1,16 Milliarden Euro. Die Rechnung stammt übrigens von den Wissenschaftlern des FÖS und ist von Greenpeace beauftragt worden – also durchaus mit einer politischen Stoßrichtung, auch das sei nicht verschwiegen.
Jede zweite Messstelle belastet
Erstaunlich (oder beunruhigend?): Fast zwei Drittel aller Trinkwassermessstellen in Deutschland zeigen Werte von 10 mg Nitrat pro Liter oder mehr, wie es die bundesweite Nitratdatenbank belegt. Nur zur Einordnung: Der rechtliche Höchstwert für Nitrat liegt aktuell bei 50 mg/l – ob das weit genug geht, wird allerdings schon länger kritisiert. Denn viele Landwirtschaftsflächen nehmen mehr Dünger auf, als die Pflanzen zu verwerten vermögen, was am Ende das Grundwasser belastet.
Internationale Studien zeigen: Eigentlich könnten gesundheitliche Schäden bereits bei Nitratkonzentrationen unterhalb des deutschen Grenzwerts auftreten. Die großen Verursacher? Düngemittel aus intensiver Tierhaltung und Massentierproduktion – wenig überraschend eigentlich.
Dänemark als Vorbild?
Während hierzulande um strengere Politik gerungen wird, setzt Dänemark bereits ein deutliches Ausrufezeichen: Dort ist geplant, den erlaubten Nitratwert künftig auf 6 mg/l zu begrenzen. Nicht einmal ein Achtel des aktuellen deutschen Grenzwerts. Professor Schullehner von der Universität Aarhus unterstützt diesen Ansatz als Beispiel für echte Gesundheitsvorsorge.
Greenpeace will „an die Wurzeln“ gehen
Stephanie Töwe von Greenpeace utopiert striktere Regeln für Düngemengen und Tierhaltung. Klar ist für sie: Es ist günstiger, Schadstoffe gar nicht erst entstehen zu lassen, als sie später mühsam aus dem Trinkwasser zu filtern.
Gefahr kommt auf leisen Sohlen
Man kann über die Ursachen von Darmkrebs allerlei diskutieren – nicht alles lässt sich an Nitrat festmachen. Aber während Alkohol, Fleischkonsum und Rauchen individuelle Risiken betreffen, bleibt sauberes Wasser eine gesellschaftliche Aufgabe.
Fast ironisch: Während die Aufbereitung von belastetem Wasser auf die Versorger abgewälzt wird, müsste die eigentliche Lösung an der landwirtschaftlichen Basis ansetzen, etwa durch Begrenzung von Stickstoffdüngern und eine Umstellung auf nachhaltigere Flächenbewirtschaftung. Der deutsche Grenzwert steckt noch immer im alten Rahmen, während Forschungserkenntnisse längst mahnen, den Schutz frühzeitiger und entschiedener zu denken.
Zwischen Landwirtschaft, Politik und Trinkerglück
Die Verantwortung liegt letztlich sowohl bei Politik und Landwirtschaft – als auch bei uns allen, die wir über unser Konsumverhalten (indirekt) mitreden. Der dänische Weg zeigt, wie weitreichende Vorsorge aussehen kann. Ob sich ein solcher Paradigmenwechsel auch hier etablieren lässt, bleibt abzuwarten – sicher ist nur: Das Thema verdient mehr Aufmerksamkeit, als es bislang bekommt.
Nitratproblem bleibt politisch umstritten
Die Gesundheitskosten, die durch Nitrat im Trinkwasser entstehen, summieren sich auf über eine Milliarde Euro jährlich, so das Ergebnis der Greenpeace-Studie. Auch neueste Berichte heben hervor, dass Regionen mit intensiver Landwirtschaft besonders gefährdet bleiben und das Gesundheitssystem und die Wasserversorgung vor enorme Herausforderungen stellen. Obwohl Dänemark mit sehr viel strengeren Grenzwerten vorangeht, zögert Deutschland noch mit grundlegenden Reformen, auch weil wirtschaftliche Interessen der Landwirtschaft und Umweltziele schwer zu vereinen sind.
Einer frischen Analyse zufolge steigen die Risiken für Krebs und andere Krankheiten schon bei Nitratwerten, die unterhalb des aktuellen Grenzwerts liegen (Quelle:
Die Zeit). Einem Leitartikel der Süddeutschen nach wächst der Unmut in der Bevölkerung, da die Debatte zwischen wirtschaftlichen Interessen, Umweltauflagen und Konsumentenschutz ins Stocken gerät (Quelle:
Süddeutsche Zeitung). Zugleich berichten die taz und die FAZ, dass die Bundesregierung erste Prüfaufträge für höhere Anforderungen an die Düngeregulierung angestoßen hat, aber die Auswirkungen auf den Agrarsektor noch unklar sind (Quelle:
FAZ /
taz).