Österreich: Neue Wege des Abschieds – Reerdigung bald möglich?

Die Lichtblick Bestattung aus Niederösterreich und Wien will als Pionier die innovative Reerdigung nach Österreich holen. In Zusammenarbeit mit dem deutschen Unternehmen MEINE ERDE sollen neue Möglichkeiten geschaffen werden, wie Menschen den letzten Weg gestalten können. Noch steht die gesetzliche Grundlage aus – doch der Dialog läuft.

28.10.26 10:18 Uhr | 8 mal gelesen

Manchmal, wenn ich über das Ende nachdenke, kommt mir der Gedanke: Wo will ich eigentlich zurückbleiben? Zwischen Erdbestattung und Feuerbestattung, irgendwo dazwischen – das hören zumindest immer mehr Menschen. Und dann taucht plötzlich dieses noch recht fremde Wort auf: Reerdigung. Was klingt wie ein uraltes Ritual, ist erstaunlich fortschrittlich und doch irgendwie vertraut. Die Lichtblick Bestattung, familiengeführt in Niederösterreich und Wien, wagt nun Schritt für Schritt – als erste in Österreich gemeinsam mit MEINE ERDE aus Deutschland – diesen neuen Abschied vorzustellen. In vierzig Tagen wird ein Mensch im wahrsten Sinne wieder zu Erde, sanft gebettet in einen speziellen Kokon aus recyceltem Kunststoff. Stroh, Heu, Mikroorganismen, Feuchtigkeit, das Zusammenspiel klingt fast poetisch, bleibt aber im Kern Natur – und Wissenschaft. Die Knochen werden, teils ungewohnt, nach der Verwandlung gemeinsam mit der entstandenen Erde fein zermahlen. Die Aufgabe der Natur: Transformation, die Aufgabe der Angehörigen: Begleitung und Loslassen. Für Geschäftsführer Jörg Bauer ist die Reerdigung ein konsequentes 'Zur-Erde-Zurück', das wenig mit Trend, sehr viel mit individueller Freiheit zu tun hat. Trotzdem stockt mir der Gedanke im Hals: Wie fühlt sich das wohl an, mit einer fast neuen Form von Abschied umzugehen? In Schleswig-Holstein, einem Bundesland so weit nördlich, dass der Wind oft zu großen Gedanken anstiftet, ist die Reerdigung ohne große Kontroverse in den Gesetzesbüchern gelandet. 76-mal wurde sie dort schon gelebt. Wissenschaftler prüften alles, was kritisch werden könnte – von Mikrobiologie bis hin zu Schadstoffbelastung der Erde. Das Ergebnis? Es funktioniert und gefährdet niemanden. Klingt eigentlich selbstverständlich, ist aber nach Jahren der Forschung ein echtes Argument. Jetzt steht Österreich an der Schwelle: Jedes Bundesland regelt die Totenruhe für sich, also heißt es Gespräche suchen, Überzeugungsarbeit leisten. Wie immer, wenn Altes auf Neues trifft. Lichtblick signalisiert Offenheit, Information, ein bisschen Hartnäckigkeit – und die Hoffnung, dass auch bei uns bald niemand mehr zwischen Tradition und Modernität wählen muss, sondern auch den dazwischenliegenden Weg gehen kann. Klar, Fragen bleiben: Wird die Gesellschaft es annehmen? Kommt die Politik nach? Aber wie Bauer richtig sagt: Abschied ist persönlich, manchmal unbequem und immer im Wandel. Da kann es gar nicht genug Möglichkeiten geben – auch wenn sie erst auf den zweiten Blick überzeugen.

Die Reerdigung, auch als Kompostierungsbestattung bekannt, gilt als umweltfreundliche Alternative zu klassischen Beisetzungsformen. Während diese Methode in Teilen Deutschlands - insbesondere Schleswig-Holstein – bereits gesetzlich verankert und mehrfach erprobt wurde, steckt sie in Österreich noch in den Anfängen der rechtlichen Auseinandersetzung. Umweltaspekte, kulturelle Akzeptanz und individuelle Trauerverarbeitung stehen gleichermaßen im Fokus, wobei deutsche Erfahrungswerte – etwa zu Schadstofffreiheit und Praktikabilität – als Basis für die Debatte in Österreich dienen. Immer mehr Menschen suchen nach persönlichen und nachhaltigen Bestattungsformen, wodurch der gesellschaftliche Diskurs zunimmt; erste Gespräche mit Behörden, wie Lichtblick bestätigt, laufen bereits. Spannend ist außerdem, dass Berlin sowie einige norddeutsche Städte aktuell die Einführung ebenfalls prüfen, während in anderen europäischen Ländern, etwa den Niederlanden oder Schweden, ähnliche Prozesse gesellschaftlich verhandelt werden. Aus aktuellen Nachrichten der vergangenen 48 Stunden ergibt sich, dass das Thema nachhaltige Bestattung auch international an Fahrt gewinnt, etwa mit Diskussionen über Urban Composting in Großbritannien und neuen Forschungen zum ökologischen Fußabdruck von Kremation und klassischer Erdbestattung.

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