Begräbnisse, so wie sie bislang meist ablaufen, sind selten originell: Holzsarg, Friedhof, eine Prise Tradition und ein guter Schuss Formalismus. Jetzt jedoch regt sich Bewegung in Österreichs Bestattungswesen. Die Lichtblick Bestattung, ein Familienunternehmen mit Bodenhaftung und trotzdem Lust am Querdenken, setzt sich dafür ein, die neuartige Reerdigung – bislang ein Phänomen aus Norddeutschland – auch hierzulande einzuführen. Die Idee dahinter klingt fast so poetisch, wie sie praktisch ist: Die Verstorbenen werden in einem luftigen Kokon aus recyceltem Material auf Heu und Stroh gebettet. Dort, versorgt von Mikroben, Feuchtigkeit und Luft, zerfallen sie binnen etwa 40 Tagen zu fruchtbarer Erde.
Jörg Bauer, der Geschäftsführer von Lichtblick, bringt es auf den Punkt: "Erde zu Erde" ist ein Urbild des Abschieds – und mit dieser Methode wird daraus keine Metapher, sondern ein greifbarer, gemeinsamer Prozess. Während in Deutschland, konkret in Schleswig-Holstein, diese Bestattungsform nach umfassender Forschung inzwischen Gesetz ist, fehlt es in Österreich an einer rechtlichen Grundlage. Bauer will das ändern und sucht den Dialog – mit Behörden, mit der Gesellschaft, mit allen, die offen sind für Alternativen zwischen Feuer und klassischer Graberde.
Wichtig: Niemand will das Rad neu erfinden oder die konventionellen Formen ersetzen. Es geht um Optionen. Wer möchte, kann künftig wählen: Erd-, Feuer-, See-, Donau- oder eben Reerdigungsbestattung. Zugehörige können mit der entstehenden Erde verbunden bleiben. Persönlicher kann es kaum werden, meinen die Befürworter. Entscheidend ist, dass das Verfahren gesundheitlich wie ökologisch als unbedenklich gilt – das jedenfalls legten Studien aus Deutschland nahe. Trotzdem bleibt das Gesprächsklima abwartend, nicht nur in Amtsstuben. Schließlich geht es um Traditionen, um Gefühle, oft auch um Ängste.
Da vermischt sich Visionäres mit Alltagspragmatik, Pathos mit Bürokratie. Die Lichtblick Bestattung will ihr Wissen und die Erkenntnisse aus Deutschland teilen, sensibilisieren, Sachfragen klären, ohne zu missionieren und aufdringlich zu wirken. Und letztlich ist alles noch ein bisschen im Werden – ob aus alter Grabskultur tatsächlich fruchtbare Erde für neue Abschiedsrituale wächst, liegt nun auch an der Offenheit Österreichs. Vielleicht brauchen wir einfach mehr Zeit als die Mikroorganismen im Kokon.
Die Lichtblick Bestattung setzt sich als österreichischer Partner von MEINE ERDE dafür ein, die Reerdigung als neue, nachhaltige Bestattungsform in Österreich zu etablieren. Nach inzwischen erfolgreichen und gesetzlich verankerten Pilotprojekten in Schleswig-Holstein steht der rechtliche Rahmen in Österreich jedoch noch aus – das Unternehmen sucht hierzu aktiv das Gespräch mit Politik und Behörden. Studien aus Deutschland attestieren dem Verfahren sowohl ökologische Unbedenklichkeit als auch gesellschaftliche Akzeptanz, doch ändern sich Vorstellungen vom Abschiednehmen nur langsam; Bestattung wird zum emotionalen und kulturellen Aushandlungsprozess zwischen Tradition und Innovation.
Neue Details (Recherche Ergänzungen):
In Deutschland gewinnt die Reerdigung weiter an Boden: Immer mehr Bundesländer prüfen entsprechende Gesetzesänderungen, während sich Umweltverbände positiv zu den CO2-Einsparungen dieser Methode äußern.
Zivilgesellschaftliche Gruppen und Kirchen diskutieren kontrovers, ob Reerdigung mit religiösen Vorstellungen vereinbar ist, wobei erste theologische Gutachten Entgegenkommen signalisieren.
Auch in den Niederlanden hat Reerdigung mittlerweile gesetzliche Grundlagen, was Österreichs Debatte zusätzlichen Aufwind gibt.